Die Mischung macht‘s

Der Anteil der Männer am Kita-Personal liegt in Deutschland nur bei rund fünf Prozent. Für die Erzieher Mäx Nink, 45 Jahre und Josef Zeinali, 27 Jahre ist der Erzieherberuf nahe am Traumjob.

Wie fühlt man sich als einer der wenigen Männer in der Kita?

Mäx Nink: Ich sehe mich nicht als Exot und fühle mich auch nicht so. Wir sind alle Profis in der Kita – völlig egal, ob Mann oder Frau.

Josef Zeinali: Ich bin Teil des Teams, und nicht der Hahn im Korb.

Gehen Erzieher mit Kindern anders um als die Kolleginnen?

Mäx Nink: Nein, ich hoffe nicht. Die pädagogischen Standards sind schließlich die gleichen.

Josef Zeinali: Man kann nicht pauschal sagen, dass Männer anders drauf sind als Frauen. Das hat nichts mit dem Geschlecht, sondern mit dem Charakter zu tun.

Zu einem anderen Klischee: Rufen Kinder zum Streitschlichten eher Erzieher und zum Basteln eher Erzieherinnen zu Hilfe?

Mäx Nink: Aus meiner Erfahrung gehen Kinder bei Konflikten zu der Person, zu der sie ein gutes Vertrauensverhältnis haben. Und beim Basteln zu der Person, die das Angebot initiiert hat – ganz egal ob Erzieher oder Erzieherin.

Josef Zeinali: Ich lebe in einer Großfamilie. Dadurch ist mir Empathie und der offene Umgang mit Gefühlen total wichtig – gerade bei Jungs. Ich möchte ihnen vorleben, dass ein echter Mann kein gefühlloser Macho sein muss, um stark zu sein. Ich möchte den Kindern ein neues Männerbild vermitteln.

Gibt es Vorurteile der Eltern gegenüber Erziehern?

Mäx Nink: Bei manchen Eltern gibt es die Vorurteile. Es gibt Ängste aufgrund schlimmer Missbrauchsfälle in der Vergangenheit. Hier hilft nur, transparent zu arbeiten, um sich mit respektvollem Umgang mit Kindern und Eltern das Vertrauen „zu verdienen“ und zu zeigen, dass die Ängste unbegründet sind. Ich wickle zum Beispiel immer nur bei offener Tür und möglichst, wenn andere im Raum sind.

Josef Zeinali: Traurig, aber wahr. Teilweise hat man schon das Gefühl, als Mann in der Kita mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Man muss sich dieser Vorurteile einiger Eltern einfach bewusst sein und sich entsprechend verhalten.

Was bedeuten Männer in der Kita für das Team?

Mäx Nink: Ich habe in meiner 25-jährigen Tätigkeit als Erzieher schon oft gehört „endlich ein Mann im Team“. Auch wenn ich jetzt ein Klischee bediene: Männer schätzen öfter die direkte Kommunikation und klare Ansagen. Außerdem harmonisieren sie das Team. Grundsätzlich tut eine Mischung aus männlich und weiblich, alt und jung und verschiedenen Kulturen dem ganzen Team gut.

Josef Zeinali: Ich entspreche von der Art her nicht dem gängigen Männerbild. Ich bin sehr empathisch und zugänglich. Aber ich glaube trotzdem, dass wir Männer viele Sachen entspannter sehen als Frauen. Und diese Gelassenheit ist so wichtig für die Psyche. Ob nach der Arbeit einfach nur Kopfhörer aufziehen und Musik hören oder Joggen gehen – jeder muss seine eigene Methode finden, um runterzufahren.

Bei den Eltern stoßen die Erzieher Josef Zeinali (rechts) und Mäx Nink manchmal auf Vorurteile.

Was begeistert Sie an Ihrem Beruf?

Mäx Nink: Er ist extrem vielfältig und spannend. Mit unserer wichtigen Arbeit kann man die Welt ein kleines Stück besser machen, indem man zusammen mit den Eltern die Kinder zu aufgeschlossenen, kreativen und starken Persönlichkeiten heranzieht.
Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir allerdings größere Räume, mehr und gut bezahltes Personal mit weniger Stunden wünschen. Dann wäre mein Beruf wirklich wieder mein Traumberuf.

Josef Zeinali: Es gibt bei der Arbeit mit Kindern zum Glück keine Routine. Man muss sich immer wieder auf neue Emotionen der Kinder und Situationen einlassen. Das ist auf der einen Seite unheimlich Energie zehrend, auf der anderen Seite lädt ein strahlendes Kind sofort alle Akkus wieder auf. Diese Lebensfreude der Kinder ist einfach total ansteckend.

Mäx Nink ist 45 Jahre alt und Erzieher in der katholischen Kita St. Bonifatius in Wiesbaden.

Josef Zeinali ist 27 Jahre alt und ebenfalls Erzieher in St. Bonifatius.