Einer krank, alle krank

Natürlich nehmen Sie den weinerlichen Linus mit dem bellenden Husten und dem fiebrigen Gesicht auf den Arm: Kranke Kinder sind in der Kita keine Ausnahme.

Linus steht verloren in der Tür zur Gruppe. Normalerweise läuft der schmächtige Junge sofort zu seinem besten Freund, um mit ihm zu spielen. Doch heute geht es ihm nicht gut. Linus’ Husten ist in der letzten Woche schlimmer geworden. Seit Tagen kann er deswegen kaum mehr schlafen. Seine Bezugserzieherin Barbara merkt sofort, dass es ihm nicht gut geht und nimmt sich den Jungen auf den Schoß.

Eigentlich gehört Linus in diesem Zustand ins Bett. Aber die Erzieherin kennt die Mutter gut und weiß, dass sie Angst vor einem Krisengespräch mit ihrem Chef hat, wenn sie schon wieder nicht zur Arbeit kommt. Also wiegt Barbara den hustenden Linus auf ihrem Schoß und streichelt seinen Rücken – während 18 andere Kinder um sie herum wuseln und sich balgen – es herrscht Chaos. Die Erzieherin spürt kalten Schweiß aufsteigen.

Kurz
gesagt!

  • Kranke Kinder stecken in der Kita andere an
  • Ihre Betreuung bedeutet eine zusätzliche Arbeitsbelastung
  • Erklären Sie den Eltern, weshalb das Kind zu Hause bleiben muss
  • Stellen Sie Hausregeln zum Thema „Kranke Kinder“ auf

Allzeit Erkältungszeit

Im Winterhalbjahr ist diese Situation vermutlich Alltag in jeder Kita. Erkältungszeit ist sogar das gesamte Jahr über. Gerade bei Kindern, deren Immunsystem noch nicht ausgereift ist, können die Folgen einer nicht auskurierten Infektion gravierend sein – ein grippaler Infekt kann zum Beispiel in eine Herzmuskelentzündung und Husten in eine Lungenentzündung münden. Werden die oft weinerlichen, anhänglichen kranken Kinder in die Kita geschickt, stecken sie zudem andere Kinder an.

Auch der Betreuungsaufwand wird um ein Vielfaches höher und intensiver. Erzieherinnen und Erzieher die Nasen putzen, Durchfallwindeln wechseln und Erbrochenes wegwischen, haben natürlich auch ein großes Risiko, selbst krank zu werden. Es gibt pädagogische Fachkräfte, die sich dennoch zur Arbeit schleppen, um ihre Kolleginnen und Kollegen nicht im Stich zu lassen. Doch dabei reichen sie ihre Krankheitserreger an das Team weiter. Ein Teufelskreis droht, wenn kranke Kinder und Erwachsene nicht konsequent zu Hause bleiben. Die Gründe, weshalb kranke Kinder in die Kita geschickt werden, sind unterschiedlich. Eine Ursache kann beispielsweise sein, dass beide Elternteile berufstätig sind und voll im Job gefordert werden.

Ihre Kita – Ihre Hausregeln

Emotional aufgeladene Gespräche mit den Eltern darüber, ob das Kind nun krank ist oder nicht, lassen sich durch sogenannte Hausregeln vermeiden. Diese verbindlichen Regelungen erstellt die Kita-Leitung zusammen mit ihrem Team und dem zuständigen Gesundheitsamt. Die Hausregeln kann sich die Kita-Leitung beispielsweise von den Eltern unterschreiben lassen und dem Betreuungsvertrag als Anlage beifügen. Die Regeln legen auch fest, in welchen Fällen Kinder abgeholt werden müssen. Dazu gehören Fieber, Erbrechen oder entzündete Augen. Geregelt ist auch, bei welchen Krankheiten ein ärztliches Attest bei der Rückkehr in die Kita notwendig ist.

Die Hausregeln müssen für alle Eltern täglich sichtbar sein. Ein geeigneter Ort für den Aushang ist das schwarze Brett oder die Eingangstür. Mit dem Hinweis auf die Hausregeln sind die Eltern zusätzlich dafür sensibilisiert, dass ihre kranken Kinder nach Hause und nicht in die Kita gehören. Die Kita darf als Gemeinschaftseinrichtung laut Infektionsschutzgesetz Kinder mit bestimmten Krankheiten auch gar nicht aufnehmen. Durch eine gute Kommunikation mit den Eltern steht gesunden Kindern und Beschäftigten in der Kita nichts im Wege.

Checkliste Krankheit und Hygiene

  • Prüfen Sie regelmäßig, ob die Telefonnummern der Eltern aktuell sind.
  • Bringen Sie ein krankes Kind in einen ruhigen Nebenraum, bis es abgeholt wird.
  • Ziehen Sie beim Wickeln oder Beseitigen von Stuhl oder Erbrochenem Schutzhandschuhe an.
  • Waschen oder desinfizieren Sie Ihre Hände regelmäßig.
  • Hängen Sie bei aktuell auft retenden, ansteckenden und meldepflichtigen Krankheiten ausführliche Informationen über die Krankheit, deren Verlauf, Symptome, Inkubationszeit und Ansteckungswege aus.
  • Verteilen Sie ergänzend dazu Elternbriefe, bei Bedarf in verschiedenen Sprachen

 

WEITERE INFOS

Informationen zum Infektionsschutzgesetz sowie zu meldepflichtigen Krankheiten und Krankheitserregern gibt es unter:
www.rki.de > Infektionsschutz sowie beim zuständigen Gesundheitsamt.