Es kann losgehen!

Gute Planung und Verständnis für die Situation von Eltern und Kindern – das sind die besten Voraussetzungen für eine gelungene Eingewöhnung in die Kita.

„Es muss nicht immer Tränen geben, wenn Mama oder Papa zum ersten Mal gehen.“ Martina Aretz, Leiterin der Kita Sonnenstrahl im nordrhein-westfälischen Selfkant, blickt auf 25 Jahre Erfahrung zurück. Sie weiß um die Bedeutung der Eingewöhnung für die Kinder: „Der Übergang in die Kita ist für alle Kinder eine wichtige und intensive Erfahrung. Wie sie diesen ersten Abnabelungsprozess von den Eltern erleben, ist jedoch individuell ganz verschieden.“ Ganz gleich, ob Kinder eher zurückhaltend oder forsch mit neuen Situationen umgehen, eine gut geplante Eingewöhnung erleichtert immer den Übergang.

Eingewöhnung nur mit Eltern

„Viele Kinder werden in einem Alter von ungefähr zwölf Monaten in die Kinderkrippe gebracht. Genau dann, wenn sie ,fremdeln‘“, sagt Anni Söntgerath, die als Diplom-Psychologin in der Qualifizierung pädagogischen Personals tätig ist. „Ihre Furcht vor fremden Personen oder vor einer unbekannten Umgebung können sie nur im Beisein der Eltern bewältigen.“ Deshalb sollten die Kinder in jedem Fall so lange von den Eltern oder einer anderen Bindungsperson begleitet werden, bis die Erzieherinnen und Erzieher dem Kind vertraut werden. Erst wenn sich das Kind bei „seiner“ Erzieherin oder „seinem“ Erzieher sicher und geborgen fühlt, werden die Eltern entbehrlich.

Übrigens: „Kinder fühlen sich ohne die elterliche Vertrautheit meist unwohl und unglücklich und erleiden nicht selten Vertrauensbrüche im Bezug zu ihren Eltern. Ihr Gefühl von Sicherheit in der Welt kann erheblich beeinträchtigt werden“, sagt Anni Söntgerath.

Kurz
gesagt!

  • Kinder brauchen mindestens eine feste Bezugsperson in der Kita
  • Keine Eingewöhnung ohne Eltern
  • Eltern und Kindern Verlustängste nehmen
  • Das Kind bestimmt das Tempo der Eingewöhnung

Keine Eingewöhnung gleicht der anderen: Manche Kinder zeigen sich dabei sehr mutig, andere hingegen weinen viel.

Schritt für Schritt in die Kita

Diese Erkenntnisse bestimmen auch die Eingewöhnungsphase in der Kita Sonnenstrahl. Hier erfolgt der Eintritt in die Kita oder Krippe – angelehnt an das Berliner Modell – schrittweise und gemeinsam mit einem Elternteil. Das Tempo der Eingewöhnung hängt vom jeweiligen Kind ab. Zunächst erkunden die Mädchen und Jungen gemeinsam mit Mama oder Papa stundenweise die neue Umgebung. Begleitet werden sie dabei von der für die Familie zuständigen Erzieherin. „Wir bestimmen in der Regel eine feste Ansprechpartnerin“, erläutert Kita-Leiterin Martina Aretz. Diese soll möglichst während der gesamten Eingewöhnungsphase für das Kind da sein und eine vertrauensvolle und verlässliche Beziehung zu ihm aufbauen. Eine zweite Erzieherin wird für den Notfall bestimmt – sollte die Ansprechpartnerin einmal erkranken oder für den Fall, dass die Chemie zwischen Kind und Erzieherin nicht stimmt. Je besser sich das Kind in der Kita einlebt, desto mehr ziehen sich die Eltern zurück.

„Gelingt die Eingewöhnung, hat das im Übrigen auch Einfluss auf spätere Übergänge“, sagt Psychologin Anni Söntgerath. Kinder, die einen guten Start in die Kita erleben, bewältigen oft auch den Schulanfang ohne größere Probleme. Das erklärt sie dadurch, dass Menschen von klein auf – bewusst oder unbewusst – ihre emotionalen Erfahrungen in Phasen des Übergangs speichern. So können auch Ängste bei späteren Übergängen erinnert werden. Fühlte sich das Kind hingegen sicher beim neugierigen Erkunden der fremden Lebenswelt, wird es auch später zuversichtlicher einem Neubeginn entgegensehen.

„Gelingt die Eingewöhnung, hat das im Übrigen auch Einfluss auf spätere Übergänge.“

Störungen vorbeugen

Doch nicht immer läuft alles glatt in der Eingewöhnungsphase. „Leider erleben wir häufig, dass Eltern unter enormem Zeit- und Erfolgsdruck stehen“, sagt Martina Aretz. Für viele Mütter und Väter ist an den Kita-Eintritt des Kindes die direkte Rückkehr an den Arbeitsplatz gekoppelt. Die Eingewöhnung soll deshalb vor allem schnell gelingen. Martina Aretz: „Diesen Druck spüren sowohl die Kinder als auch die Kolleginnen.“ In anderen Familien müssten sich die Eltern mit der Eingewöhnung der Kinder in die Kita auch selbst erst wieder an einen festen Tagesrhythmus und frühe Anfangszeiten gewöhnen. Wie wirkt die Kita solchen Problemen entgegen? „Wir informieren die Eltern schon vor Beginn der Eingewöhnung mit einem Flyer und in einem persönlichen Gespräch über deren Ablauf, unsere Zeiten und unsere Erwartungen an die Eltern“, sagt Martina Aretz. Zum Beispiel setzt die Kita Sonnenstrahl voraus, dass sich ein Elternteil genug Zeit – mindestens drei bis vier Wochen – für die Eingewöhnung nimmt und dass bei den Trennungsversuchen immer ein Elternteil erreichbar ist. „Nur so können wir dem Kind bei Bedarf versichern, dass Mama und Papa immer wiederkommen – wenn nötig auch ganz schnell.“

Gemeinsame Mahlzeiten fördern Nähe und Vertrauen zwischen Eingewöhnungskind und Bezugsperson.

Eltern für sich gewinnen

Auch intern setzt die Kita auf gute Planung: Gemeinsam wird geregelt, wer, wann, welches Kind eingewöhnt. „Natürlich wird auch mal jemand krank“, so Martina Aretz, „aber ein Blick auf die Urlaubsliste und die Ferienzeiten, erfolgt in jedem Fall, bevor jemand eine Eingewöhnung übernimmt.“

„Gut so!“, findet Diplom-Psychologin Anni Söntgerath. „Es reicht nicht, wenn eine Kita nach dem Motto ‚wir sind alle zuständig‘ handelt.“ Die Bedürfnisse des Kindes und seine Signale dürfen nicht ins Leere laufen, sondern müssen möglichst von einer ihm vertrauten Person wahrgenommen und beantwortet werden.

Außerdem empfiehlt Anni Söntgerath, dass diese Kontaktperson schon das vorbereitende Elterngespräch übernimmt. So kann sie von Anfang an eine vertrauensvolle Beziehung auch zu den Eltern herstellen. Und das zahle sich aus: „Sind die Eltern entspannt bei der Eingewöhnung, überträgt sich das in der Regel auch auf das Kind. Denn das orientiert sich ja am Verhalten seiner Bezugspersonen.“

Checkliste Eingewöhnung

  • Erstellen Sie einen Eingewöhnungsplan für alle neuen Kinder.
  • Wählen Sie den Zeitpunkt der Eingewöhnung gut – möglichst nicht direkt vor den Ferien.
  • Informieren Sie die Familien vor Beginn der Eingewöhnung über den Ablauf.
  • Stellen Sie klar, dass die Eltern Zeit für die Eingewöhnung mitbringen müssen.
  • Bitten Sie die Eltern, Ihnen wichtige Informationen zum Kind und zur familiären Situation zu geben.
  • Eine qualifizierte Bezugsperson aus der Kita kümmert sich dauerhaft um das Kind und die Eltern.
  • Die Eingewöhnung orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen und am Tempo des Kindes.
  • Ermutigen Sie die Eltern, ihre Kinder loszulassen, und helfen Sie bei der schrittweisen Trennung.
  • Stellen Sie Eltern einen Ort in der Kita zur Verfügung, an dem sie sich während der Eingewöhnungszeiten aufhalten können.