Plötzlich Führungskraft

Wer als Erzieherin oder Erzieher die Leitung einer Kita übernimmt, wird mit neuen, zeitintensiven Aufgaben konfrontiert. Eine weitere Herausforderung: Der Spagat zwischen kollegialem Verhalten und Führungsstärke.

Teamführung, Konfliktvermittlung, Fortbildungen organisieren, Kommunikation mit dem Träger, Öffentlichkeitsarbeit: Die Aufgabenliste von Führungskräften in Kitas ist lang. Doch die Zeit, die hierfür im Kita-Alltag zur Verfügung steht, ist knapp. Oft müssen diese Aufgaben parallel zum pädagogischen Arbeiten in der Gruppe erledigt werden.

KURZ GESAGT!

  • Der Schritt aus dem Team zur Leitungskraft ist groß
  • Leitungsaufgaben müssen häufig „nebenher“ erledigt werden
  • Wichtig: ein gutes Zeitmanagement
  • Fortbildungen helfen, den Anforderungen gerecht zu werden

Mehr als die Hälfte der Kita-Leitungskräfte ist zusätzlich als Gruppenleitung tätig. Das geht aus den Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik hervor. Die Leitung wird also gewissermaßen „nebenbei“ erledigt. Wer Pech hat, muss sogar komplett ohne Freistellung klarkommen.

Leider werden angehende Erzieherinnen oder Erzieher in ihrer Ausbildung kaum auf künftige Leitungspositionen vorbereitet. Und wer jahrelang in einem Kita-Team gearbeitet hat, ohne tieferen Einblick in die zahlreichen Führungsaufgaben erhalten zu haben, kann sich mit der Übernahme der Leitung erst einmal schwertun. Oft ist die neue Position mit einer Doppelrolle verbunden, in der kollegiales Verhalten und Führungsverantwortung in Einklang gebracht werden müssen.

Um die Herausforderung besser zu bewältigen, kann eine Fortbildung hilfreich sein. Dabei lassen sich Themen wie die Reflektion des beruflichen Selbstverständnisses, Betriebs- und Personalführung sowie Kommunikation gut vertiefen. Außerdem bieten Fortbildungen die Gelegenheit, sich mit anderen auszutauschen.

„Zwischen allen Stühlen“

 

INTERVIEW MIT …
Dr. Cornelia Becker
Sie ist im „Evangelischen Landesverband – Tageseinrichtungen für Kinder in Württemberg e. V.“ für Qualitätsmanagement in der Kita und die Leitungsqualifizierung zuständig.

Foto: Ev. Landesverband – Tageseinrichtungen für Kinder in Württemberg e. V.

Frau Dr. Becker, mit welchen Problemen werden Sie in den Fortbildungen am häufigsten konfrontiert?

Neben dem Problem, dass in der Regel zu wenig Zeit für Führungsaufgaben zur Verfügung steht, ist die ungewohnte Doppelrolle oft schwer zu erfüllen. Einerseits fühlen sich die neuen L eitungskräfte als Teil des Kollegiums, andererseits müssen sie sich durchsetzen können. Viele der Frauen – ein Großteil der Kita-Leitungen ist ja weiblich besetzt – haben ein starkes Harmoniebedürfnis. Es fällt ihnen manchmal schwer, klare Anweisungen zu geben oder die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen zu kontrollieren. Sie sitzen dann zwischen allen Stühlen.

Können Sie dieses Problem lösen?

Wir versuchen es! Zum einen, indem wir uns mehr mit dem beruflichen Selbstverständnis der Teilnehmenden auseinandersetzen. Zum anderen dadurch, dass wir mit Hilfe von Planspielen schwierige Situationen einüben: Wie führe ich ein Konfliktgespräch? Oder wie vertrete ich die Interessen der Einrichtung gegenüber Gremien wie etwa einem Gemeinderat? Die Fähigkeiten, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei erwerben, steigern in der Regel oft deren Selbstbewusstsein. Das erleichtert vielen schon die Arbeit.

Was ist das Wichtigste, das die Teilnehmenden in ihren Arbeitsalltag mitnehmen können?

Das ist individuell verschieden. Viele optimieren ihr Zeitmanagement und lernen, mehr zu delegieren. Das schafft schon mal „Luft“, sich mit anderen Themen zu beschäftigen. Außerdem arbeiten wir mit einem Coachingkonzept, bei dem sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegenseitig im Alltag beraten. Das ist vielleicht das Wichtigste – sich auch langfristig immer wieder zu unterstützen.