Schattige Plätzchen

Bei einem Neubau auf der grünen Wiese fehlt es meist an alten Bäumen – und damit an natürlichen Schattenspendern auf dem Außengelände. Die Kinder der Kita „Am Ballonstartplatz“ sind dennoch gut vor UV-Strahlen geschützt.

Der Weg zur Kita „Am Ballonstartplatz“ im bayerischen Gersthofen führt in ein typisches Neubaugebiet: Auf der grünen Wiese errichtete Reihenhäuser, in denen vor allem junge Familien leben. Für deren Nachwuchs wurde die Kita im Jahr 2014 neu gebaut. 112 Plätze bietet die Einrichtung, 60 davon sind von Krippenkindern belegt.

Das moderne Gebäude erstreckt sich über zwei Etagen, die Stadt hat für die Kinderbetreuung sichtbar Geld in die Hand genommen. Auch für das gute Klima im Haus: In die Fußbodenheizung wird im Sommer 16 Grad warmes Wasser eingeleitet, so dass sie zur Kühlung beiträgt. Eine Herausforderung war der Sonnenschutz auf dem Außengelände der Kita. Alte Bäume oder große Büsche, die natürlichen Schatten über Rutsche, Spielschiff oder Wasserpumpe werfen, fehlten hier komplett.

„Wir gehen mit den Kindern jeden Tag raus, das ist wichtig für die Entwicklung“, sagt die Kita-Leiterin Susanne Mielke. In einem Jahr wie 2018 hätte das ohne zusätzliche Maßnahmen bedeutet: Spielen in der prallen Sonne von Anfang April bis Ende Oktober. „Die Kinder und Erzieherinnen müssen sich überall aufhalten können – ohne dass sie ständig der UV- Strahlung ausgesetzt sind.“ Deshalb suchte die Kita-Leitung gemeinsam mit der Stadt Gersthofen, dem Träger der Kita, und den Architekten nach Lösungen.

KURZ GESAGT!

  • Wo Bäume fehlen, Sonnensegel und Schirme einsetzen
  • Beschattungssysteme müssen wetterfest und sicher sein
  • An Lieblingsplätzen der Kinder für Schatten sorgen
  • Jalousien schützen Innenräume vor Überhitzung

 

„Wir gehen mit den Kindern jeden Tag raus, das ist wichtig für die Entwicklung“, sagt Kita-Leiterin Susanne Mielke.

Bunte Sonnensegel

Rund um das große Spiel- und Klettergerüst der älteren Kinder sind jetzt hohe Metallstangen angebracht. An ihnen befestigt der Hausmeister an sonnigen Tagen große bunte Sonnensegel. „Das ist die optimale Lösung bei einem Neubau auf der grünen Wiese“, lobt Holger Baumann, Aufsichtsperson der Kommunalen Unfallversicherung Bayern. Zusätzlich gibt es mehrere große Sonnenschirme, etwa bei den drei Findlingen im Sandbereich. „Hier sitzen die Kinder häufig und spielen“, erzählt Susanne Mielke. Auch über der Matschanlage, wo die Kinder bei Hitze besonders gerne am silbrigen Rad der Wasserpumpe drehen, hängt inzwischen ein Sonnensegel.

Sonnensegel sind die optimale Lösung bei einem Neubau auf der grünen Wiese.

Die Halterungen für die Segel und Schirme sind alle fest und sturmsicher im Boden verankert. „Das bietet auch bei Windböen einen guten Halt“, erklärt Holger Baumann. Bei der Auswahl an Beschattungssystemen sollte unbedingt auf eine dauerhafte Sicherheit und gute Qualität geachtet werden. Vorsicht ist daher bei Schnäppchen aus dem Baumarkt oder von Internet-Discountern geboten. Alle bereitgestellten Beschattungssysteme müssen sicher und für den dauerhaften Kita- Einsatz geeignet sein. Die Verletzungsgefahr bei Ständern von Sonnenschirmen für den privaten Einsatz beispielsweise durch Stolpern und Stürzen ist groß. Ebenfalls ein vermeidbares Risiko: herabhängende Schnüre und Bänder an Schirmen oder Sonnensegeln. „Die Kinder spielen damit und können sich im schlimmsten Fall strangulieren“, weiß die Aufsichtsperson. Auch darauf wurde „Am Ballonstartplatz“ geachtet.

Wo die Kinder am liebsten spielen – da muss für Schatten gesorgt werden. Dieses Prinzip war auch maßgeblich für den separaten Außenbereich der Unterdreijährigen. Deshalb spannt sich über der gesamten Sandanlage der Jüngsten ein rotes Sonnensegel. Auch über der Nestschaukel ist dieser UV-Schutz großflächig angebracht. „Für die Erzieherinnen ist es wichtig, dass sie beim Anschaukeln im Schatten stehen“, sagt die Kita-Leiterin.

An heißen Sommertagen gehen die Kinder nur morgens und am späteren Nachmittag raus. Dann bleiben die Fahrzeuge in ihrem Schuppen, stattdessen wird die Wasserrutsche am Hügel aufgebaut. Während der Mittagsstunden spielen die Kinder dann im Gebäude. An den raumhohen Fenstern verhindern Jalousien, dass einfallende Sonnenstrahlen die Gruppenräume übermäßig erhitzen.

Spielen unter Markisen

Zusätzlichen Schutz bietet ein breiter Balkon, der sich an der gesamten Südseite des Gebäudes entlangzieht. Oben im ersten Stock nutzen die Kinder gerne das schöne Wetter, sitzen an Spieltischen auf dem Balkon und beobachten Spaziergänger mit ihren Hunden oder die Müllmänner bei der Arbeit. Zur Seite hin, am Balkongeländer, schützen mit bunten Bahnen bespannte Elemente die Kinder vor der einfallenden Sonne. Unten auf dem Außengelände schafft der Überhang des Balkons wie eine riesige Markise schattige Plätzchen zum Spielen.

Weiden wachsen schnell

Neben den zahlreichen Sonnensegeln und -schirmen setzen Kita und Träger aber auch auf natürlichen Sonnenschutz. Auf dem Hügel der Älteren, hinten neben der Seilbahn oder bei den Erdbeerbeeten wurden Bäume und Büsche gepflanzt. Im Krippenbereich finden die Kinder unter Weidenbüschen ein schattiges Versteck. „Weiden wachsen schnell und sind nicht giftig“, betont Susanne Mielke die Vorzüge der Pflanzen. Diesen Kriterien genügen auch die Buchen, die „Am Ballonstartplatz“ noch etwas schmächtig wirken. Bis aus den Bäumen auf dem Außengelände der Kita großzügige Schattenspender werden, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern.

 

HAUTSCHUTZ DURCH BESCHATTUNG

Sonnenschirme: Sie eignen sich für kleinere Flächen. Besonders flexibel und gut geeignet sind sogenannte Ampelschirme, die sich kippen und um 360° schwenken lassen. Damit können sie ideal dem Sonnenstand angepasst werden. Empfehlenswert ist ein Schirmbezug aus wetterbeständigem und vor UV-Strahlung schützendem Material. Der Schirmfuß sollte bodenbündig und barrierefrei verankert sein, sonst besteht Verletzungsgefahr.

Markisen: Sinnvoll zur Beschattung von Flächen am Gebäude und bei Terrassen. Sie können bis zu sieben Meter breit und fünf Meter tief sein. Nachteilig sind die relativ kleine Beschattungsfläche, die Windanfälligkeit und die geringere Anpassungsfähigkeit bei niedrigstehender Sonne.

Pflanzen: Ein alter Busch- und Baumbestand mit dichten Kronen liefert optimalen Schatten. Durch die Verdunstung hat er zusätzlich einen kühlenden Effekt. Sonnen- und Windschutz bietet auch eine Pergola, die mit Rankpflanzen wie wildem Wein oder immergrünem Geißblatt bepflanzt wird.

Sonnensegel: Besonders geeignet zur Beschattung großer Flächen. Den optimalen Schutz bieten mehreckige Segel mit einer großen Beschattungsfläche.
Sonnensegel, die dauerhaft angebracht bleiben, müssen winddurchlässig und sturmsicher befestigt sein. Wegen ihrer luftdurchlässigen Struktur bieten sie allerdings oftmals einen etwas geringeren UV-Schutz als Exemplare, die nicht wetterfest sind. Sonnensegel punkten besonders in Sachen Flexibilität: Sie können waagerecht, schräg oder senkrecht gespannt werden und sehr gut dem Sonnenstand angepasst werden.

 

 

SICHERHEITSHINWEISE ZU SONNENSCHUTZSYSTEMEN

  • Beim Kauf auf das GS-Zeichen achten
  • Aufbau- und Montageanleitung befolgen
  • Bedienungs- und Sicherheitshinweise beachten
  • Befestigung und Funktion prüfen
  • Nur zugelassenes Zubehör verwenden
  • Sonnenschirme und Co nie ungesichert aufstellen
  • Auf Segeltuch mit möglichst hohem UV-Schutzfaktor achten
  • Sturm- bzw. Windfestigkeit beachten
  • Beschädigte Sonnensegel, Schirme und Markisen nicht verwenden
  • Wartung und Inspektion gemäß Herstellerangaben  durchführen lassen
  • Ideal sind Systeme mit bodenbündigem Einbau und ohne hervorstehende spitze Teile, wie Spannvorrichtungen
  • Falls vorhanden: herabhängende Seile oder Kordeln  entfernen; Kurbelsysteme ohne offene Seile sind besonders komfortabel und sicher

 

 

INFOMATERIAL

Vielfältige Broschüren und weiterführende Infos der UKBW unter:
www.kindergaerten-in-aktion.de > Suchbegriff: Sonne

Weiterführende Broschüre „Arbeiten unter der Sonne“ der DGUV:
publikationen.dguv.de > Suchbegriff: 203-085

Flyer „Hautschutz ist (k)ein Kinderspiel“ der UKH:
kita.ukh.de