Die PDF-Datei bietet eine kompakte Checkliste für eine gesunde Führungskultur in Kitas. Im Fokus stehen klar geregelte Zuständigkeiten für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Gefährdungsbeurteilungen (inkl. psychischer Belastungen) sowie konkrete Maßnahmen wie Lärmschutz und Ergonomie.
Außerdem werden Teamentwicklung, Empowerment und Partizipation betont – durch offene Kommunikation, konstruktive Lob- und Fehlerkultur und die aktive Einbindung von Fachkräften, Kindern und Eltern. Ergänzend geht es um verlässliche Abläufe zur Stressbewältigung, Hygiene und Infektionsschutz, regelmäßige Unterweisungen, Fortbildungen sowie das Einholen externer Unterstützung.
Schlagwort: Gefährdungsbeurteilung
Wie geht es eigentlich den Kleinsten?
kurz & knapp
+ Kindliches Wohlbefinden ist Basis für Gefährdungsbeurteilung und Qualitätsentwicklung
+ Das Verfahren hilft, Risiken und Belastungen bei Krippenkindern frühzeitig zu erkennen
+ Praxistaugliches Material und Handreichungen für den Kita-Alltag
Die Räume der Nestgruppe der Kita Pappelallee in Berlin waren gerade neu gestaltet, als das Team merkte: „Das passt für unsere Kinder nicht.“ Also ging man einen bemerkenswerten Schritt, packte alles noch mal an, stellte alles erneut um und ordnete das Material anders an. Die Erkenntnis, dass die Räumlichkeiten – so gut geplant und schön sie auch waren – sich für einige Krippenkinder als nicht optimal erwiesen, kam durch die Teilnahme am Projekt „Potential und Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung von Kindern unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen“.
Vivien Hanke, Erzieherin in der Nestgruppe, erzählt: „Wir im Krippenteam reflektieren ständig, wie es den Kindern geht. Deshalb fanden wir die Idee gut, mittels des neuen Beobachtungsmodells mehrere Ebenen zu betrachten: das Kind selbst, die Gruppe sowie Organisation und Rahmenbedingungen – etwa die Räume.“ Das führte zu manchem Aha-Moment – und zur Umgestaltung. Nun ist Ruhe in die Gruppe eingekehrt, die auch nach außen ausstrahlt – wichtig, wenn neue Kinder eingewöhnt werden.
Die Kita Pappelallee ist eine von fünf Einrichtungen, die das Tool „Wohlbefindens- und Gefährdungsbeurteilung“ (WoGe) mitentwickelt und getestet haben. Das von der Universität Leipzig im Auftrag der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) entwickelte Verfahren basiert auf der Idee, dass Wohlbefinden ein zentraler Qualitätsindikator in der frühkindlichen Betreuung ist.
Impulse aus der Praxis
Durch Rückmeldungen an das wissenschaftliche Team wurden wichtige Impulse aus der Praxis aufgenommen. „Wir hatten eine tolle Dozentin, Workshops, Hausaufgaben – anstrengend nach langen Kitatagen, ja, aber wir sind immer mit guten Gedanken und Ideen rausgegangen“, erinnert sich Vivien Hanke. Heute liegt das Material allen Kitas zur freien Nutzung vor. Pädagogische Fachkräfte können damit das Wohlbefinden systematisch erfassen und Belastungsfaktoren erkennen.
„Wir sehen endlich auch die Stilleren“, sagt Hanke. „Durch die Beobachtungsbögen haben wir gelernt, genauer auf Signale zu achten, die wir sonst vielleicht übersehen hätten.“ Dabei zeigte sich auch: Das offene Konzept überfordert viele Kinder, besonders in Eingewöhnungsphasen. „Deshalb haben wir im Moment ein teilgeschlossenes Konzept, bis wieder alle angekommen sind.“
Das Instrument betrachtet die Rahmenbedingungen der Einrichtung und deren Wirkung auf das einzelne Kind. Zusätzlich wird dessen Wohlbefinden im Alltag konkret erfasst. Fachkräfte erhalten strukturierte Beobachtungsbögen, mit denen sie Faktoren wie emotionale Sicherheit, Selbstwirksamkeit oder soziale Teilhabe dokumentieren können. Ziel ist es, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und Ressourcen gezielt zu stärken.
Mehr Klarheit, mehr Unterstützung
„Die Implementierung braucht sicher eine Weile, aber es ist nicht aufwendiger als andere Beobachtungsbögen, die verwendet werden“, sagt Hanke. Mittlerweile läuft es so gut, dass die Kita überlegt, Konsultationseinrichtung für andere Kitas zu werden. Hanke sieht Potenzial auch im Elementarbereich und verweist darauf, dass das Verfahren gerade bei Kindern ohne Deutschkenntnisse wertvolle Hinweise auf ihr Wohlbefinden geben kann.
Die systematische Beobachtung schärft nicht nur den Blick auf jedes einzelne Kind, sondern fördert auch die Teamkommunikation. „Wir reden heute viel differenzierter über das Verhalten der Kinder und beziehen auch Eltern stärker ein“, berichtet Hanke.
Laut DGUV kann die „Potential und Gefährdungsbeurteilung“ auch bestehende Dokumentationspflichten ergänzen oder ersetzen und bietet so einen Mehrwert für Qualitätsentwicklung. Für Hanke steht vor allem die Sinnhaftigkeit im Vordergrund: „Es ist keine zusätzliche Belastung, sondern eine echte Unterstützung. Wir verstehen die Kinder besser und können schneller reagieren, wenn es ihnen nicht gut geht.
Lesen Sie dazu auch das Interview mit Marianne Rölli-Siebenhaar, die das Projekt wissenschaflich begleitet hat.
Möchten Sie das Tool zur Beurteilung des Wohlbefindens von U3- Kindern testen?
Hier finden Sie es:
www.dguv.de, Webcode: p202123
Rückengerecht arbeiten
- Nutzen Sie höhenverstellbare Stühle und vermeiden Sie unbedingt, auf Kinderstühlen zu sitzen, denn dadurch können Verspannungen im Bereich der
Wirbelsäule und Beschwerden an den Kniegelenken auftreten. - Verwenden Sie Anziehhilfen wie Podeste, kleine Treppen und ergonomische
Stühle, um sich mit den Kindern auf Augenhöhe zu bewegen. So vermeiden Sie es, sich ständig vorbeugen und die Wirbelsäule verdrehen zu müssen. Lassen Sie die Kinder möglichst viel selbstständig machen. - Nutzen Sie Servierwagen zum Transportieren der Mahlzeiten.
- Portionieren und richten Sie die Speisen auf den Kindertellern an einem normal
hohen Tisch oder auf dem Servierwagen an, statt sich zu den Kindern herunterzubeugen, sofern diese überhaupt Ihre Hilfe benötigen. - Beim Transport schwerer Gegenstände: Holen Sie sich Hilfe oder greifen
Sie auf geeignete Hilfsmittel (Sackkarre etc.) zurück. - Das Spielen auf dem Boden kann die Kniegelenke belasten.
Hilfreich sind hier Sitzalternativen, beispielsweise Yogakissen, Meditationsbänkchen oder Bodenstühle. - Sie die Kinder nur ausnahmsweise auf den Wickeltisch, lassen Sie die Kleinen vorhandene Aufstiegshilfen nutzen. Ältere Kinder können stehend gewickelt werden, während die Fachkraft auf einem niedrigen Stuhl sitzt.
- Kann das Kind, das Sie hochheben möchten, nicht doch selbst laufen, klettern o. Ä. – eventuell mit Ihrer Hilfe? Lässt es sich nicht vermeiden: Heben Sie das Kind körpernah und achten Sie darauf, dass Ihre Knie nicht durchgestreckt sind.
Wenn Sie Babys oder Krabbelkinder länger tragen, ist es sinnvoll, dafür ergonomische Tragesysteme zu verwenden. - Nutzen Sie solche Bettchen, in die die Kinder selbstständig hinein- und herauskrabbeln können, damit Sie sie zum Schlafenlegen nicht über das Gitter heben müssen.
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TIPP!
Gefährdungsbeurteilungen geben Ihnen wertvolle Hinweise auf Verbesserungsbedarf in Ihrer Kita. Mehr dazu unter:
www.bgw-online.de/gefaehrdungsbeurteilung-kita
Weitere Informationen zum rückengerechten Arbeiten unter:
www.dguv.de, Webcode: p202106
Sicher und gesund arbeiten in der Kita während Schwangerschaft und Stillzeit
Im ersten Teil der Broschüre geht es darum, wie das Mutterschutzgesetz konkret für Beschäftigte umgesetzt werden muss, die beruflich mit kleinen Kindern zu tun haben. Denn gerade Kleinkinder haben häufig Infektionen, sie wollen auf den Arm: ein enger Kontakt ist unvermeidlich. Wie funktioniert eine Gefährdungsbeurteilung? Auf welche Aspekte muss man besodners achten? Welche Schutzmaßnahmen gibt es? Wo finden die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bei diesen Fragen Unterstützung? Die Broschüre gibt darüber Auskunft.
Im Teil 2 behandelt die Publikation Infektionskrankheiten und
deren Prävention. Hier gibt es vor allem Informationen und Handlungsempfehlungen für Ärztinnen und Ärzte. Es geht um die Prüfung des Immunschutzes, Impfangebote und was zum Schutz der schwangeren oder stillenden Mitarbeiterin zu tun ist, wenn in der Einrichtung eine bestimmte Infektionskrankheit auftreten sollte.
Den Abschluss bildet eine Liste mit relevanten Gesetzen und Vorschriften sowie ein Ablaufschema zum Mutterschutz für Einrichtungen zur Betreuung und Behandlung von Kindern.
Die Broschüre kann kostenlos heruntergladen werden unter:
Wie Sie psychischen Belastungen entgegenwirken
Personalmangel, Zeitknappheit, Konflikte mit Eltern – die meisten Träger und Kitaleitungen glauben zu wissen, wo bei ihren Beschäftigten der Schuh drückt. Weshalb sich also die Mühe machen, die psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung (GBU) aufzunehmen? Zum einen natürlich, weil es gesetzliche Pflicht ist. Und zum anderen, weil nur so aus Vermutungen Gewissheiten werden und sich dann geeignete Maßnahmen treffen lassen, die die Situation der pädagogischen Fachkräfte verbessern. Das trägt dazu bei, die Arbeit sicherer und gesünder zu gestalten und Ausfallzeiten zu verringern.
Eine GBU psychischer Belastungen zu erstellen, ist weniger aufwendig und bürokratisch, als viele befürchten. Zumal es von Unfallkassen und Berufsgenossenschaften speziell für Kitas nützliche Handlungshilfen gibt (siehe Kasten unten rechts). Diese können unkompliziert an die Bedingungen der eigenen Kita angepasst werden.
Sieben Schritte führen zu einer erfolgreichen GBU psychischer Belastungen:
1. Vorbereitung
2. Gefährdungen und Belastungen ermitteln
Beispiel: Kitaleiterin Frau Helmer hat bemerkt, dass ihr Team mit den Kindern immer öfter lieber im Gruppenraum bleibt, statt nach draußen zu gehen, auch wenn es nur ganz leicht nieselt. Sie will der Sache im Rahmen einer Teamsitzung auf den Grund gehen.
3. Gefährdungen und Belastungen beurteilen
Beispiel: Auf Basis der Handlungshilfen fragt Frau Helmer in der Teamsitzung nach. Es stellt sich heraus, dass die Erzieherinnen und Erzieher das Anziehen der „Matschklamotten“ besonders stressig finden. Während die älteren Kinder längst in Hosen und Gummistiefel geschlüpft sind, benötigen die jüngeren Hilfe. Die Älteren langweilen sich, schwitzen, sind laut und ungeduldig. Das überträgt sich auf das pädagogische Fachpersonal, das sich um ältere und jüngere Kinder gleichzeitig kümmern muss. Die Folge: Hektik, Stress, schlechte Stimmung.
4. Maßnahmen festlegen
Beispiel: Bei der Teamsitzung werden Vorschläge gemacht und schriftlich festgehalten: Die älteren Kinder sollen erst den jüngeren helfen, bevor sie sich selbst anziehen. Eine Erzieherin nimmt außerdem draußen die fertig angezogenen Kinder in Empfang, damit diese nicht warten müssen, bis die ganze Gruppe so weit ist.
5. Maßnahmen durchführen
Beispiel: Die Kinder, die ihre Matschklamotten schon tragen, gehen nach draußen, wo Frau Müller schon auf sie wartet. Frau Uzun und Jahrespraktikant Herr Schultze helfen gemeinsam mit den Vorschulkindern, die jüngeren Kinder anzuziehen.
6. Wirksamkeit überprüfen
Hat sich die Situation verbessert? Nach einem festgelegten Zeitraum wird das überprüft. In diesem Fall können die von der Änderung betroffenen Beschäftigten einfach dazu befragt werden.
Beispiel: Vier Wochen später fragt die Kitaleitung bei der Teamsitzung nach. Einhellige Meinung: Die Kinder sind leiser und nicht mehr so ungeduldig. Erzieherinnen und Erzieher fühlen sich weniger gestresst.
7. GBU fortschreiben
Beispiel: Teamsitzung ein Jahr später: Hat sich das Prozedere mit den Matschklamotten aus Sicht der Beschäftigten bewährt? Oder muss nachjustiert werden?
Eine Gefährdungsbeurteilung ist ein kontinuierlicher Prozess, der nicht nur den Status quo festigen, sondern die Gesundheit und Sicherheit in der Kita verbessern soll. Sie muss so dokumentiert werden, dass daraus die Beurteilung der Gefährdung, die festgelegten Maßnahmen und das Ergebnis ihrer Überprüfung hervor gehen. Das dient nicht nur der Rechtssicherheit, sondern auch als wertvolle Arbeitshilfe im Kita-Alltag.
GBU IM INTERNET
- Infos, Handlungshilfen, Mitarbeiter- und Dokumentationsbögen zur GBU psychischer Belastungen hat die Unfallkasse Berlin speziell für Kitas zusammengestellt:
www.kurzelinks.de/4boj - Ausführliche Informationen und Prüflisten zu einer Vielzahl von potenziellen Gefährdungen bietet die Unfallkasse NRW in der Broschüre „Gefährdungsbeurteilung für Kindertageseinrichtungen – Handlungshilfe“:
www.kurzelinks.de/yfii - Übersichtliche Informationen zur „Gefährdungsbeurteilung in der Kinderbetreuung“ und Checklisten hält die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) bereit:
www.kurzelinks.de/t0vz - Die Unfallkasse Rheinland-Pfalz erklärt die Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen in einem Video:
www.kurzelinks.de/r4ar


































