Analog vor digital?!

Während manche Kitas gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Tablets machen und die Kinder beim Umgang mit digitalen Medien begleiten und fördern, steht für andere fest: Die frühe Kindheit sollte zumindest in der Kita analog bleiben.

In der evangelischen Kita Oberlin in Berlin-Steglitz wird gematscht, gespielt, getobt, gebastelt und gern in Bücher aus der Kitabibliothek geschaut, die von den Kindern selbst verwaltet wird. Digitale Medien werden dort eingesetzt, wo es sinnvoll ist – etwa im Bilderbuchkino, bei dem die Kindergruppe gemeinsam ein Buch über den Beamer betrachtet, oder wenn die Fachkräfte auf Tablets etwas im Internet recherchieren. Kitaleiterin Silke Glückstein meint: „In der frühen Kindheit wird der Grundstein für die Medienmündigkeit gelegt. Gleichzeitig sind auch Greifen und Begreifen zentrale Erfahrungen der kindlichen Entwicklung. Das Buch ist ein altersgerechtes geeignetes Medium, das haptische Erfahrungen ermöglicht und etwa durch das Zeigen die Koordination von Hand und Auge fördert.“

Digitale Medienzeiten für Vier- bis Sechsjährige sollten sich nach der Empfehlung von Medienfachleuten auf höchstens eine halbe Stunde am Tag beschränken. Auch deshalb setzt sie in ihrer Kita auf analoge Bildungs- und Spielangebote. Silke Glückstein weiß, dass viele der Eltern die Medienzeiten ihrer Kinder bereits gut im Blick haben.

 

KURZ GESAGT!

  • Auch das Angucken von Bilderbüchern ist ein Schritt zur Medienmündigkeit
  • Abwägen: Kann das Bildungsziel nur durch digitale Medien erreicht werden?
  • Initiative „ECHT DABEI“ unterstützt Kitas mit
    Fortbildungen sowie Angeboten für Eltern und Kinder

 

Unterstützung durch Initiative „ECHT DABEI“

Es ist aber immer sinnvoll, sich zu diesen Themen durch Fachleute auf den aktuellen Stand bringen zu lassen. Dafür hat sich die Einrichtung Unterstützung durch die Initiative „ECHT DABEI“ geholt. Diese sieht neben den Chancen auch die Risiken der digitalen Mediennutzung, die, befördert durch die Pandemie, auch bei den Jüngsten stark gestiegen ist. Stephanie Stalter vom Projektbüro: „Wir möchten Orientierung geben und die Fachkräfte darin bestärken, bei der Entscheidung ‚analog versus digital‘ stärker abzuwägen.“ Sie plädiert dafür, dabei immer den Blick auf das Kind und seinen Entwicklungsstand zu haben.

Die Initiative bietet Kitas und Grundschulen eine Fortbildung für pädagogische Fachkräfte an. Denn oft gibt es auch in Bildungseinrichtungen mehr Fragen als Antworten zu diesem komplexen Thema. Das Team von Silke Glückstein wurde von einem „ECHT DABEI“-Coach an zwei Tagen geschult – dabei ging es etwa um Ressourcen und Fähigkeiten, die Kinder brauchen, um im digitalen Zeitalter gesund groß zu werden, und um den altersgerechten Umgang mit Medien.

Hilfreich für die Praxis waren die aufgezeigten Beispiele, wie die medienpädagogische Arbeit mit Kindern konkret gestaltet und die Eltern miteinbezogen werden können. „Außerdem kamen die Kinder in den Genuss eines spannenden Mitmachtheaters“, berichtet die Kitaleiterin. Zusätzlich stand ein Online-Elternabend auf dem Programm. All dies war für die Einrichtung dank der BKK-Förderung kostenlos.

Das Blättern und Schmökern in Bilderbüchern schult Fähigkeiten, die digitale Medien weniger gut bedienen.

Medienbildung geht auch analog

„ECHT DABEI“ ist ein bundesweites Präventionsprogramm, das von den Betriebskrankenkassen gefördert wird. Erste Anlaufstelle für die Fachkräfte ist das Servicebüro. Die zertifizierten, regional tätigen „ECHT DABEI“-Coaches gehen dann in die Einrichtungen vor Ort. Stalter erklärt, das Ziel sei keineswegs, digitale Medien aus den Kitas und Grundschulen zu verbannen, sondern neue Impulse dafür zu geben, das, was in Einrichtungen bereits zur Förderung der Medienmündigkeit getan wird, bewusster zu tun. „Wir sind kritisch-reflektiert“, fasst Stalter die Haltung zusammen. „Es geht uns um das Bildungs- oder Erziehungsziel, das erreicht werden soll. Die verschiedenen Medien sind dabei nur Hilfsmittel.“

Ob analog oder digital: Diese Einschätzung mit Blick auf den Entwicklungsstand der Kinder und die jeweilige Situation zu treffen, erfordert die Kernkompetenzen pädagogischer Fachkräfte. „Im Zweifel plädieren wir aber immer dafür, analogen Medien den Vorzug zu geben“, sagt die Projektleiterin und erklärt: „Medienbildung im Kindergarten kann vollständig analog erfolgen.“ Es gehöre schließlich deutlich mehr dazu, als ein Tablet bedienen zu können. Das Team der Kita Oberlin jedenfalls hat den Schwerpunkt auf analoge Medien gelegt und macht gute Erfahrungen damit.

 

 ECHT DABEI

… ist ein Präventions- und Bildungsprogramm. Es richtet sich an Kindertageseinrichtungen und (Grund-)Schulen und hat zum Ziel, Medienrisiken und -problematiken vorzubeugen und Medienmündigkeit zu fördern. Hand in Hand damit geht die Vermittlung von Kompetenzen zur Medienbildung.

www.echt-dabei.de, E-Mail: info@echt-dabei.de,
telefonisch erreichbar Di–Fr, 9–12 Uhr unter der Nummer 0761 15 61 02 32