Den Rücken freihalten

Deutlicher Personalausfall, aber gleichzeitig mehr Aufwand durch Hygienevorgaben – Alltag in Kitas während der Corona­Pandemie. In Nordrhein­Westfalen können Alltagshelfer Entlastung bringen. Finanziert wird das Projekt durch Mittel des Landes.

Die Kitas bleiben offen, solange es geht, heißt es in diesem Corona-Winter. Dazu sind in den Einrichtungen zusätzliche Hygiene­ und Arbeitsschutzmaßnahmen nötig – ein deutlicher Mehraufwand, der erhebliche Zeit des Fachpersonals bindet. Gleichzeitig können pädagogische Fachkräfte, die zur Risi­kogruppe zählen, nicht eingesetzt werden. Eine Lösung für dieses Dilemma bietet die Initiative #ichhelfemit. Die Idee: Kitas können finanzielle Unterstützung für die Beschäftigung einer All­tagshelferin oder eines Alltagshelfers beantra­gen, die die Fachkräfte bei nicht pädagogischen Arbeiten unterstützen. Eigentlich war die Initia­tive bis zum Jahresende 2020 befristet. Da der Zuspruch allerdings so groß ist – fast neun von zehn berechtigten Kitas haben die Zuschüsse beantragt –, wird sie zunächst bis zum Ende des Kitajahres 2021 fortgesetzt.

 

KURZ GESAGT!

  • In NRW können Kitas finanzielle Hilfen für die Beschäftigung von Alltagshelfern beantragen
  • Sie dürfen nur im nicht pädagogischen Bereich eingesetzt werden
  • Initiative läuft noch bis Ende Juli 2021

 

Von der Küchenhilfe zur Alltagshelferin

In Monheim am Rhein hilft Sibel Bekir Oglou dem Team der AWO Kita Prenzlauer Straße bei all den notwendigen, aber auch zeitraubenden Kleinigkeiten: mindestens zweimal am Tag die Stühle und Tische desinfizieren, Spielzeug ab­wischen, den Kindern (die ja viel draußen sein sollen) in die Matschklamotten helfen, Gummistiefel suchen, beim Händewaschen helfen, in den Bring-­ und Abholzeiten mit anpacken. Sie hält den Fachkräften den Rücken frei, da­mit auch in Pandemiezeiten diese die pädago­gische Arbeit an den Kindern in der gewohnten Qualität leisten können. Bevor Sibel Bekir Oglou Alltagshelferin wurde, arbeitete sie acht Jahre als Küchenkraft in der Einrichtung. „Für mich ist das wunderbar, das Team hat mich in meiner neuen Aufgabe sofort akzeptiert“, berichtet sie begeistert. Und ihre Chefin Silke Hergl ist eben­falls mehr als zufrieden: „Ich musste nicht lange nachdenken, als mich Frau Bekir Oglou fragte. Das passt für uns gut. Eine Kollegin, die der Ri­sikogruppe angehört, darf zurzeit nicht mit den Kindern arbeiten. Sie ist nun vorübergehend in der Küche beschäftigt.“ Eine Win-­win­-Situation.

„Es ist ein ungeheurer Vorteil, dass wir und auch die Kinder Frau Bekir Oglu schon kannten.“ So verlief der „Jobtausch“ reibungslos. Wobei selbstverständlich ist, dass Alltagshelferinnen und ­helfer keine pädagogische Fachkraft erset­zen können – und es auch nicht sollen. Es ist eine ganz klare Vorgabe der Initiative: Die päd­agogische Betreuung und frühkindliche Bildung müssen weiterhin ausschließlich von pädagogi­schen Kräften geleistet werden. In professionel­ler Verantwortung bleiben Elterngespräche, die Beobachtung und Dokumentation, Eingewöh­nung sowie jegliche inhaltliche Planung und Durchführung pädagogischer Angebote, aber auch das Begleiten der Kinder in Schlafsituatio­nen oder Ruhephasen sowie beim Wickeln und Toilettengang. Da eine trennscharfe Aufgaben­teilung manchmal nicht möglich erscheint, hört man zur Initiative aber durchaus auch vereinzelt kritische Stimmen im Land. Gut ist es deshalb, wenn der Träger gemeinsam mit dem Kitateam klare Tätigkeitsbeschreibungen für die Alltags­helferinnen und -­helfer formuliert. Das beugt Missverständnissen und Verunsicherungen vor.

Für Sibel Bekir Oglou haben sich jedenfalls neue Berufsperspektiven aufgetan: „Ich kann mir gut vorstellen, ganz in den sozialen Bereich zu wechseln und eine Ausbildung zu machen. Die­se Arbeit liegt mir. Ich bin damit richtig glück­lich.“ Tatsächlich möchte das Familienministe­rium NRW erfolgreichen Alltagshelferinnen und ­helfern diese Chance ermöglichen und ihnen ein Ausbildungsangebot machen. Silke Hergl findet die Idee sympathisch: „Das halte ich für ein gutes Signal.“

 

DATEN UND FAKTEN

Es machen in NRW rund 9.000 von ca. 10.500 nach dem KiBiz geförderten Kindertageseinrichtungen mit.

 

2021 stehen 132,3 Millionen Euro für die Kitahelferinnen und ­helfer sowie, 14,7 Millionen Euro für Schulungen, Arbeitsschutz und Hygienemaßnahmen zur Verfügung.

 

Die Anstellung erfolgt über die Träger.

 

 

Infos zu dem Projekt unter:

https://ich-helfe-mit.nrw