Gut vernetzt

Kinderyoga, PC-Führerschein und Singkreis, Naturentdecker-Workshops und Bewegungsangebote gemeinsam mit dem örtlichen Sportverein – in der Kita Bummi gibt es viele tolle Projekte. Wie schaffen die das?

Viele der Projekte wurden ursprünglich von Kolleginnen oder Kollegen angestoßen und betreut. „Oft ergibt sich das durch die Mitarbeiterjahresgespräche, bei denen die Beschäftigten ein Jahresziel formulieren sollen“, erklärt die Kitaleiterin Romy Damme im Gespräch. Es ginge darum, welche Idee oder welchen Plan die Person in den kommenden zwölf Monaten im Sinne der Einrichtung verantwortlich umsetzen möchte. Weil dabei auf individuelle Interessen und Stärken eingegangen werde, seien die Beschäftigten mit Freude und Motivation dabei. Auf diese Weise kam etwa der Kinderyogakurs zustande, den es in Zukunft geben wird.

Wichtig ist, dass die Angebote möglichst nichts oder nur wenig kosten. Denn den Eltern, die meistens ohnehin nicht viel Geld haben, kann man zusätzliche Kosten nicht zumuten. Die Einrichtung selbst hat ein bestimmtes Budget, aber manche Ausgaben übersteigen auch dieses. Die Kita hält deshalb auch Ausschau nach Fördermöglichkeiten. Ob frisches Obst (EU-Schulobstprogramm) oder Milch (EU-Schulmilchprogramm) oder auch Workshops zu naturwissenschaftlichen Themen und Material zur Naturbeobachtung (wikilino) – bei Bummi ist man findig, bestehende Förderprogramme oder passende Wettbewerbe aufzuspüren und daran teilzunehmen.

Neben der Finanzierbarkeit der Projekte achtet die Kitaleitung auch stark darauf, dass sie inhaltlich passend sind, denn viele der Kinder haben sprachliche und motorische Defizite. So kommt es, dass manche Projekte, die zunächst vielversprechend klangen, nicht weitergeführt werden, wie etwa das Frühenglisch „Happy English“. „Davon haben die Kinder nicht profitiert“, bilanziert die stellvertretende Leiterin Theresa Schuwerak. Stattdessen kommt nun wöchentlich ein junger Mann der Kirchengemeinde und singt und musiziert mit den Kindern. An einem anderen Tag der Woche lauschen die Kleinen der Vorlesepatin Anita.

 

Steckbrief AWO-Kita Bummi

  • Träger ist die AWO Kindertageseinrichtungen Halle (Saale) gGmbH
  • liegt in Halle-Neustadt, ein Viertel mit einem großen Anteil an Familien in prekären Lebensverhältnissen, viele haben eine Migrationsgeschichte
  • 14 pädagogische Fachkräfte plus Praktikantinnen und FSJler betreuen …
  • … etwa 100 Kinder zwischen 8 Wochen und 6 Jahren in drei Nestgruppen und Elementargruppen
  • nimmt am Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ teil und wurde bereits zum 4. Mal als „Gesunde Kita“ zertifiziert

 

Öffentlichkeitsarbeit durch persönliche Kontakte

Die Kindertageseinrichtung ist generell sehr gut in ihrem Umfeld vernetzt. Während enge Verbindungen zur örtlichen Grundschule und zum Hort für Kitas eine Selbstverständlichkeit sind, gibt es bei Bummi auch regelmäßigen Kontakt zur Sparkasse (die die Einrichtung gelegentlich mit einer Spende unterstützt), zum Altenheim und zu örtlichen Geschäften. Es ist ein Geben und Nehmen und ein gutes Miteinander im Stadtteil – getragen vor allem über persönliche Kontakte. „Das ist eine Form von Öffentlichkeitsarbeit“, meint Kitaleiterin Romy Damme schmunzelnd.

Mit dem Sportverein gibt es bereits seit Jahrzehnten gemeinsame Projekte, das hat beinahe Tradition, und Bewegungsförderung ist im Konzept der Kita Bummi ein entscheidender Baustein zur gesunden Entwicklung der Kinder.

Bewegungsangebote sind bei Bummi ein wichtiger Baustein des Konzepts.

Durch das Engagement einer Kollegin besteht auch ein guter Austausch mit einer Holz- und Textilwerkstatt, in der Menschen arbeiten, die für den ersten Arbeitsmarkt „fit gemacht“ werden sollen. Dort hilft man gern für kleines Geld aus, wenn etwa das riesige Puppenhaus grundsaniert werden muss. Theresa Schuwerak:„Da haben beide Seiten etwas von. Wir freuen uns und die sich ebenso.“ Neben den Projekten für die Kinder bietet die Kita aber auch in Kooperation mit Fachstellen, den „frühen Hilfen“ und den vielen Angeboten ihres Trägers Unterstützung für Familien (nicht nur) in schwierigen Situationen an. „Hier kümmert sich vor allem unsere Resilienzfachkraft, ohne die wir das nicht schaffen würden“, erklärt Romy Damme.

Trotz der umfangreichen Öffnung der Kita nach außen mit vielen Partnerinnen und Partnern ist die Kita recht gut durch die Coronapandemie gekommen. Manche Projekte und Aktionen wurden an die Gegebenheiten angepasst, andere neu entwickelt, nur wenige sind völlig weggebrochen. Das Fazit bislang: „Wir sind noch mehr zusammengerutscht. Unsere Kinder haben das wirklich prima gemacht und gut verkraftet.“

 

TIPPS

  • Angebote des Trägers sichten und wahrnehmen
  • Im Viertel nach Kooperationspartnern / Unterstützern Ausschau halten und persönlich ansprechen, z. B. Apotheke, Ladengeschäfte, Sparkasse, Kirchengemeinden, Sportvereine, Polizei (Verkehrssicherheit) und Feuerwehr (Brandschutzerziehung)
  • Budget für Fortbildungen nutzen, um die Stärken und  Interessen der Beschäftigten zu fördern
  • Angebote der Frühförderstellen nutzen, guten Kontakt halten
  • „Fertige“ Projektideen und Material externer Anbieter nutzen (z. B. Haus der kleinen Forscher)
  • An Wettbewerben, Projekten oder Förderprogrammen teilnehmen, die ohne viel Aufwand realisierbar sind (z. B. EU-Schulprogramme, Präventionsprogramme der Kranken- und Unfallkassen)