Kinder brauchen Kinder

Freundschaften sind für die Entwicklung wichtig. Ihre Bedeutung wächst mit zunehmendem Alter.

„Ich hab ein Freundebuch zum Geburtstag gekriegt!“, stolz präsentiert die vierjährige Maxima ihrer Kita-Gruppe ein rosa Buch mit Glitzeraufdruck. „Du bekommst es zuerst“, sagt sie und reicht es ihrer Freundin Selma. Die Reihenfolge in der Maxima ihr Büchlein weiterreicht, sagt etwas über die Bedeutung ihrer Freundinnen und Freunde aus: So kommen nach Selma erst die übrigen Mädchen an die Reihe. Später dürfen auch einzelne Jungen das Buch zum Ausfüllen mit nach Hause nehmen.

Dies ist ein Beispiel dafür, wie sich im gemeinschaftlichen Tun sowie im Bekunden von Freundschaft bereits in der Kita ein soziales Gefüge abbildet. Die Kinder entwickeln im Vergleich untereinander ihr eigenes Selbstbild und finden über Freundschaften ihre Rolle in der Gemeinschaft.

 

KURZ GESAGT

  • Über Freundschaften finden Kinder ihre Rolle in der Gemeinschaft
  • Freies Spiel eignet sich besonders zum Knüpfen von Freundschaften
  • Freundschaften können in gemeinsamen Projekten gefördert werden

 

Freunde als Verbündete

Die Pädagogin Dr. Margarete Blank-Mathieu beschreibt diesen Vorgang so: „Kinder spüren sehr bald, dass die eigene Person mit Hilfe einer Freundschaftsbeziehung an Bedeutung gewinnt.“ Kinder fühlen sich oft auf die Hilfe der Erwachsenen angewiesen und klein. Deshalb suchen sie sich Verbündete – die geben ihnen Selbstbewusstsein.

Das erklärt, warum nicht nur Kinder mit gleichen Interessen und Spielvorlieben Freundschaft schließen. Besonders beliebt sind auch jene, die sich gut durchsetzen können, beispielsweise ältere Kinder.

Außerdem sind Freundschaften zwischen Kindern desselben Geschlechts in der Kita besonders häufig anzutreffen. In gemeinsamen Projekten – wie zum Beispiel kleinen Theateraufführungen oder handwerklichen Projekten –, bei denen es weniger um die Geschlechtszugehörigkeit als um die gemeinsamen Interessen geht, können auch Freundschaften zwischen Mädchen und Jungen entstehen und gefördert werden.

Wie sich Freundschaft entwickelt

Bereits jüngere Kinder knüpfen auf der Suche nach einem Spielpartner gerne Kontakt zu Gleichaltrigen. Diese Spielfreundschaften entstehen meist spontan und bestehen oft nur kurz – etwa für einen Vormittag in der Sandkiste oder einen Kita-Ausflug lang.

Im freien Spiel können Kinder besonders gut Freundschaften schließen und gemeinsame Erfahrungen sammeln. Sie können Spielideen entwickeln, aushandeln und den Umgang mit Konflikten üben.

Frühestens im Alter von drei Jahren können Kinder dann erfahren, wie aus einer allmählich länger andauernden Spielfreundschaft eine emotional wichtige Beziehung wird. Dr. Margarete Blank-Mathieu: „Das ,Urvertrauen‘, das Kinder durch Erwachsene erfahren können, können sie nun auch bei Gleichaltrigen nachvollziehen. Sie fühlen sich zusammen mit dem Freund oder der Freundin stärker, durchsetzungsfähiger, kompetenter und ernst genommener. Es macht Spaß, etwas gemeinsam zu tun. Gemeinsame Erfahrungen festigen die Freundschaft.“

Voraussetzung für ein offenes Aufeinander- Zugehen von Kindern ist also nicht zuletzt, dass die Mädchen und Jungen Bindungen eingehen können und sich geborgen fühlen. Fällt es Kindern sehr schwer, Freundschaften einzugehen, sollten Erzieherinnen und Erzieher aktiv werden, etwa mit gemeinsamen Bastelaktionen, in denen sich die Kinder gegenseitig helfen müssen, oder indem sie ein Teamspiel anregen und „passende“ Kinder für die Teams auswählen.

Bei allen Bemühungen gilt jedoch: Freundschaften lassen sich auch bei Kindern nicht erzwingen!

 

WENN EINE FREUNDSCHAFT ENDET

Manchmal enden Kinderfreundschaften abrupt mit dem Schuleintritt oder durch einen Umzug. Die Trauer der Kinder um den verlorenen Freund oder den Verlust der Freundin sollte ernst genommen werden. Erzieherinnen und Erzieher können Kindern, welche die Kita verlassen, anbieten, später einmal zu Besuch zu kommen. Ein schönes Abschiedsgeschenk, etwa ein Fotoalbum mit Bildern aus der Kitagruppe, bestätigt noch einmal die Wertschätzung der Gruppe für das Kind. Kinder, die in der Kita zurückbleiben, sollten in der ersten Zeit mehr beschäftigt und getröstet werden, bis sie eine neue Freundschaft schließen.