Hochbeet statt Hollandtomate

Wenig Aufwand, große Wirkung: Mit Hochbeeten können Kitas selbst Gemüse anbauen – und Kindern ein tolles Naturerlebnis ermöglichen.

Kartoffel, Kohlrabi, Kürbis & Co – dafür braucht es keinen üppigen Garten mit Gemüsebeet, es reicht eine kleine Ecke mit etwas Sonne. „Denn Hochbeete benötigen nicht viel Platz und sie sind ratzfatz angelegt“, sagt Michael Markowski vom NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen in Bingen. Ob in der Stadt oder auf dem Land: Der Umweltpädagoge ist überzeugt, dass Hochbeete für alle Kitas eine Bereicherung sind. So können die Kinder hautnah miterleben, wie aus einem winzigen Samenkorn Gemüse wächst. Sie können selbst das Saatgut in die Erde bringen, die jungen Pflanzen pflegen und gießen – und später zur Belohnung eine Möhre davon probieren. „Kinder lernen, wo unser Gemüse herkommt und wie Lebensmittel hergestellt werden“, erklärt Michael Markowski. „Das fördert die Naturnähe.“

 

KURZ GESAGT!

  • Auf wenig Platz Kräuter, Gemüse und Obst anpflanzen
  • Kinder lernen, wie Gemüse wächst
  • Natur kann auf Augenhöhe beobachtet werden

 

Kerne wieder einpflanzen

Bei Hochbeeten besteht keine Gefahr, dass Kinder beim Spielen aus Versehen auf das junge Gemüse treten. Zudem wachsen die Pflanzen auf Augenhöhe. Die Mädchen und Jungen können gut beobachten, wie Marienkäfer über Blätter krabbeln, Schmetterlinge um Blüten flattern oder sich ein Regenwurm durch die Erde gräbt. „Das ist für viele Kinder sehr spannend“, so die Erfahrung des NABU-Experten. Dabei sollten die Einrichtungen Wert auf Sortenvielfalt legen – und zum Beispiel verschiedene Tomatensorten pflanzen: gelb und klein oder rot und fleischig, rund oder birnenförmig. „So erleben Kinder: Es gibt nicht nur Hollandtomaten aus dem Supermarkt, die alle gleich aussehen.“

Kitas sollten darauf achten, dass das Saatgut „samenfest“ ist. Nur so sei eine gute Nachzucht gewährleistet, erklärt Michael M arkowski. Später können die Kinder vor dem Essen die Kerne aus Kürbis oder Gurke puhlen – und im nächsten Frühjahr wieder einpflanzen. „So können die Kindergärten über Jahre hinweg mit dem gleichen Saatgut arbeiten.“

Lehrreich für alle

Ein Hochbeet ist im Nullkommanichts gebaut. Eltern können gut dabei helfen. Der Experte empfiehlt, witterungsbeständige Hölzer wie Lärche oder Douglasie zu verwenden. Im Baumarkt kann man sich die Bretter pass genau zuschneiden lassen. Ideal ist eine Höhe von 75 Zentimetern, damit die Kinder gut an die Pflanzen drankommen. Länge und Breite können variieren, je nach Platz.

Als erste Schicht können die Kinder in die Hochbeete unter anderem Steine, Tannenzapfen, Holzklötze und dicke Äste füllen. Danach folgt eine Schicht aus groben Gartenabfällen, Laub und Grassoden. Zum Schluss wird Muttererde gemischt mit Kompost aufgeschüttet. Und schon kann es losgehen.

Wichtig ist jedoch, dass sich auch jemand um die Pflanzen kümmert, wenn die Kita geschlossen hat. Eine gute Idee ist zum Beispiel, sich dafür Paten zu suchen: Eltern oder Nachbarn, die in der Schließzeit regelmäßig gießen – und Spaß daran haben.

Im ersten Jahr, rät der Naturpädagoge, sollten am besten Gemüsesorten angebaut werden, die viele Nährstoffe benötigen: Gurke, Tomate, Zucchini oder Kürbis. Im nächsten Jahr eignen sich Möhre, Fenchel, Salat, Paprika oder Sellerie. Einige Erwachsene seien am Anfang etwas ratlos, wie sie das Gemüse zubereiten können, berichtet Michael Markowski. „Deshalb ist so ein Hochbeet oft nicht nur lehrreich für Kinder, sondern auch für pädagogische Fachkräfte und Eltern.“

 

MEHR INFOS

Viele tolle Tipps und Spielideen rund ums Thema Hochbeete gibt es auf der Projektseite vom NABU Rheinland-Pfalz:
https://kindergartenpaten.jimdo.com

Mit dem neuen Projekt „Kita-Naturbotschafter“ will der NABU in
Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland u. a. die biologische Vielfalt in Kita-Gärten fördern. Geschulte Seniorinnen und Senioren sollen die Kitas dabei unterstützen, ihr Gelände naturnäher zu gestalten. Dazu gehört zum Beispiel der Bau von Hochbeeten und Nistkästen oder das Pflanzen von Bäumen und Wildblumen. Mehr Infos unter:
www.kita-naturbotschafter.de