kurz & knapp
+ Gemeinsam zu kochen, ist pädagogisch wertvoll – auf sehr vielen Ebenen
+ Die Kinder müssen Regeln zur Sicherheit und Hygiene kennen und einhalten
+ Unterschiedliche Arbeitshöhen können ergonomisch herausfordernd sein – hier sinnvolle Lösungen nötig
Ob die Kinder zunächst nur mit der Gabel eine Banane zerdrücken, mit Joghurt verrühren und daraus einen Nachtisch herstellen. Oder ob sie selbst Gemüse klein schnippeln, Käse reiben und einen Nudelauflauf zum Mittagessen zubereiten. „Kochen mit Kindern in der Kita ist eine schöne Sache“, sagt Laura Miehlbradt, Referentin bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e. V. in Bonn. „Und absolut zu empfehlen.“
Riechen, schmecken, anfassen, ausprobieren: Die Kinder lernen frisches Obst und Gemüse kennen und erfahren mehr über gesunde Ernährung. Zudem stärkt Kochen das soziale Miteinander – und ihr Selbstvertrauen. „Sie erleben: Dieses Essen habe ich gekocht, jetzt steht es auf dem Tisch und alle freuen sich. Das ist ein tolles Gefühl.“ Die Kinderschutzexpertin empfiehlt einfache Rezepte. „Es braucht kein großes Menü“, betont Laura Miehlbradt. Je nach Möglichkeiten können die Einrichtungen eine einmalige Aktion daraus machen oder das gemeinsame Kochen niedrigschwellig im Kita-Alltag verankern. Am besten werden zwei oder drei Gerichte zur Auswahl gestellt. Und die Kinder dürfen selbst entscheiden, was sie zubereiten wollen: Pizza oder Auflauf? Da die Kindergartenkinder in der Regel noch nicht lesen können, sind Rezepte mit Bildern eine gute Idee. „So wird die Selbstständigkeit gefördert.“ Auch für Motorik, Sprachentwicklung und Konzentration sei Kochen eine tolle Sache. Trotzdem sind klare Regeln mit einem Fokus auf Sicherheit und Hygiene essenziell.
Sicherheit ist das A und O
Hilfreich sei, in kleinen Schritten zu arbeiten, rät die Referentin. Immer Schritt für Schritt. Erst das Gemüse waschen. Dann die Gurke schälen – und unter Aufsicht klein schneiden. Ganz wichtig: Die Fachkräfte müssen alle Kinder genau im Blick haben. Deshalb dürften die Gruppen nicht zu groß sein, erklärt Laura Miehlbradt. Je nach Alter zwischen drei und fünf Kinder pro Fachkraft. Und es braucht strikte Regeln: Wer darf was, je nach Alter? So können jüngere Kinder mit einem extra stumpfen Messer weiche Bananen schneiden oder einen Rührbesen benutzen, Vorschulkinder dürfen auch abgerundete Kindermesser in die Hand nehmen. Ein Ampelsystem in der Küche kann hilfreich sein. Rot heißt: Das dürfen nur Erwachsene. Orange: ist unter Aufsicht für Kinder erlaubt, und grün: ist sicher.
„Klar ist, dass heiße Pfannen und Töpfe außen vorbleiben“, betont Laura Miehlbradt. „Ich würde ganz pragmatisch sein und beispielsweise die Nudeln schon vorkochen.“ Mit heißen Töpfen dürften Kinder erst ab acht Jahren in Kontakt kommen, sie sind also in der Kita tabu. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, auf dem Herd zu kochen, kann ein Herdschutzgitter zum Einsatz kommen. Zudem wird empfohlen, nur die hinteren Herdplatten zu nutzen und Griffe von Töpfen oder Pfannen nach hinten zu drehen. Auch der Anschaltknopf des Herdes muss gesichert sein, ebenso Backofen und Steckdosen. Scharfe Messer und Scheren sollten in einer Schublade mit Kindersicherung aufbewahrt werden. Aus dem Hahn darf kein heißes Wasser kommen. Eine Gefährdungsbeurteilung, gegebenenfalls gemeinsam mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit erstellt, hilft dabei, Risiken zu minimieren. Wichtig ist, dass das Fachpersonal gut geschult wird und weiß, worauf es ankommt.
Hygiene und Ergonomie beachten
Das gilt auch in puncto Hygiene: So müssen die Kinder vorher sorgfältig Hände waschen, sie sollten saubere Kleidung oder Schürzen tragen und lange Haare zurückbinden. Zudem ist es aus hygienischen Gründen ratsam, kein Fleisch zuzubereiten, sondern nur vegetarisch zu kochen. Und die Lebensmittel dürfen Küche und Speiseraum nicht verlassen.
Weil die Küchen in der Regel nicht für Kinder gemacht sind, bietet es sich an, einen kleinen Tisch in die Küche zu stellen. „Das ist aber eine Platzfrage.“ Vermeiden sollten die Fachkräfte auf jeden Fall, sich zum Arbeiten auf die Höhe der Kindertische beugen zu müssen – das ist für den Rücken Gift.
Übrigens: Zum Kochen gehört auch, den Tisch zu decken und die Küche danach wieder aufzuräumen. Zusammen macht das sogar Spaß. Für Laura Miehlbradt steht fest: „Mit Kindern zu kochen, ist richtig schön.“
TIPP: Variable Arbeitshöhen beim Kochen mit Kindern
- Stabile Podeste oder Trittbretter mit Rutschschutz geben Kindern sicheren Stand an normalen Arbeitsflächen.
- Mobile, verstellbare Arbeitsflächen (z. B. niedrige Rolltische oder Gruppentische) ermöglichen Arbeiten in kindgerechter Höhe.
- Rückenfreundliches Arbeiten für Erwachsene: Dauerhaftes Bücken auf Kinderhöhe vermeiden – besser niedrige Arbeitsflächen nutzen, an denen Erwachsene im Sitzen unterstützen können.
- Hilfsmittel einsetzen: Kleine Hocker oder Rollstühle erleichtern die Arbeit in Kinderhöhe und schonen den Rücken.
- Bewusste Körperhaltung: Auf aufrechtes Sitzen und rückenschonendes Heben achten, auch beim Helfen oder Aufräumen.
Ausführliche Hinweise zum sicheren Kochen mit Kindern unter:
www.sichere-kita.de, Webcode: W11
































