kurz & knapp
+ Der Übergang von der Kita in die Schule ist ein zentraler Entwicklungsschritt
+ Kooperation und Vernetzung im Dreiklang Kita, Schule, Eltern sind entscheidend
+ Eltern spielen eine Schlüsselrolle im Übergang
Das Vorschuljahr ist für die Kinder der meisten Kitas mit einem besonderen Programm angefüllt – ob ein Besuch der Feuerwache oder eine Übernachtung, ein besonderer Ausflug oder Workshop. Die Kinder wissen, dass bald etwas Neues beginnen wird – bei manchen kann das Unsicherheit auslösen. Wenn dann noch „vom Ernst des Lebens“ die Rede ist, weicht die Vorfreude möglicherweise einem leisen Angstgefühl. Je besser also der Übergang gestaltet wird, desto einfacher gelingt den Kindern das Ankommen in der Schule, und das kann sich positiv auf ihre ganze weitere Bildungsbiografie auswirken.
In vielen Städten und Gemeinden arbeiten deshalb die Kitas und Grundschulen in einem engen Netzwerk. Auch Barbara Moser vom Jugendamt der Stadt Nürnberg rät dringend dazu, Kooperationen zwischen Kita, Schule und Elternhaus zu etablieren, damit ein enger, vertrauensvoller Austausch untereinander stattfinden kann. Nur so entstehe ein gemeinsames Verständnis, ist Moser überzeugt. „Der Übergang zur Schule ist zwar markiert durch die Verabschiedung der Kinder aus der Kita, aber davor gibt es einen langen, intensiven Prozess von mindestens einem, eineinhalb Jahren. Dieser muss gut geplant sein“, so die Fachfrau.
Toolbox als Rund-um-sorglos-Paket
In Nürnberg steht den Kitas und Schulen zu diesem Zweck eine modulare Toolbox mit handfesten Tipps und kompakten Hinweisen, Vordrucken, Formularen und Musterplänen zur Verfügung. Sie enthält sogar ausführliche Konzepte samt Materiallisten sowie konkrete Ideen für drei thematische Eltern-Kind-Nachmittage. Ein „Rund-um-sorglos-Paket“ also. Barbara Moser hat die Toolbox gemeinsam mit einem Steuerungskreis der Stadt mit- und weiterentwickelt. In diesem Gremium sitzen neben Vertretern der Kitaträger und des Jugendamtes auch die Schulverwaltung, Schulleitungen und das Bildungsbüro. Die Sammlung adressiert bewusst nicht nur die Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen, sondern genauso die in den Schulen.
„Wir sehen das Thema ganzheitlich“, verdeutlicht Moser. Für sie steht fest, dass der Schlüssel für das Gelingen des Übergangs zur Schule in beständiger Kommunikation liegt: „Alles steht und fällt damit, im ständigen Austausch zu bleiben und dies so zu institutionalisieren, dass auch bei einem Personalwechsel die Kontinuität gewahrt bleibt.“
Die Eltern mitnehmen
Sie betont, wie wichtig es zudem sei, die Eltern aktiv in den Prozess einzubinden. Schließlich seien auch diese verunsichert, was auf sie und vor allem ihr Kind zukommen werde. „Viele haben aus ihrer eigenen Schulzeit veraltete oder falsche Vorstellungen davon, wie Schule heute funktioniert.“ Es dann aus erster Hand zu erfahren und zu sehen, dass sich sowohl die Kita als auch die Schule dafür verantwortlich fühlten, den Kindern einen optimalen Start zu ermöglichen, sei für viele erleichternd. „Mit einer positiven Haltung gegenüber der Schule spiegeln Eltern den Kindern Zuversicht.“
Deshalb sieht das Nürnberger Konzept auch drei thematische Eltern-Kind-Nachmittage vor – ausgerichtet gemeinsam von Schule und Kita. Darin geht es um kognitive Voraussetzungen für die Schulfähigkeit, die kindliche Wahrnehmung sowie um mathematische und sprachliche Bildung. „Hier können wir Eltern beruhigen, die nicht gut Deutsch sprechen. Kinder, die ihre Erstsprache gut beherrschen, erlernen Deutsch einfacher, deshalb ist es wichtig, dass in der Familie viel in der Muttersprache miteinander gesprochen wird.“ An einem der Nachmittage lernen die Kinder und Eltern das Schulhaus kennen, an einem weiteren geht es um die Schultasche: Was ist ein guter, sicherer und geeigneter Schulranzen, was gehört hinein, was nicht? Barbara Moser erläutert: „Außerdem setzen die Eltern einen schwer bepackten Wanderrucksack auf, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel die Kinder im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht schleppen müssen, wenn das komplette Schulzeug jeden Tag mitgenommen wird.“ Ein Augenöffner!
Angebot, aber keine Verpflichtung
Es gibt keine Verpflichtung für die Einrichtungen in Nürnberg, die Vorschläge umzusetzen. „Dort, wo es bereits gute, gewachsene Strukturen und Kooperationen gibt, dient die Toolbox als Orientierungshilfe zum Abgleich, ob die eigenen Konzepte einen vergleichbar roten Faden verfolgen, wie wir es empfehlen“, erklärt Moser. Wo Kooperationen noch wachsen oder neu aufgebaut werden müssen, können sich die Kitas und Schulen eng an das vorgeschlagene Vorgehen halten. Abgesehen davon, dass sich ein Teil der Empfehlungen an den gesetzlichen Grundlagen Bayerns orientiert, ist die Toolbox auch für Kitas außerhalb Nürnbergs oder Bayerns ein großartiger Fundus an Ideen und Tipps.
Die Stadt Nürnberg hat eine Toolbox mit Tipps und Materiallisten u. v. m. zum Übergang Kita–Schule entwickelt. Sie steht kostenfrei zur Verfügung unter:
https://kurzelinks.de/7xgi
































