kurz & knapp
- Die naturnahe Umgestaltung erfolgte nach pädagogischen Aspekten.
- Team, Kinder und Eltern waren eingebunden.
- Eine gute Organisation ist entscheidend für die Sicherheit.
Florian fährt unter den Bäumen entlang und durch den Kreisverkehr in Richtung Klettergerüst. Dort spielt eine Gruppe anderer Kinder. „Ich habe mir ein Auto gekauft!“, ruft der Junge beseelt und düst an den anderen vorbei. Er will gleich noch eine Runde in „seinem“ Gefährt – es ist ein Dreirad – drehen.
Genau das können die Kinder jetzt in der Berliner Kita „Balatonknirpse“: endlos Runden drehen. Denn der Parcours hat keinen Anfang und kein Ende. Er durchzieht das komplette Außengelände der Kita inklusive der Terrasse und hat drei Mini-Kreisel als Wendemöglichkeiten.

Früher war das anders. „Wir hatten eine platte, schwarze Schotterpiste“, blickt der stellvertretende Kitaleiter Carsten Schönerstedt auf die Zeit vor 2016 zurück, als es noch unattraktive Spielgeräte und ansonsten nur viel Fläche gab. Auch ohne Anfang und Ende. Aber in schlecht. „Die Kinder rannten überall herum und wussten gar nicht, in welchem Spielbereich sie gerade waren. Es war sehr unruhig. Das hat sich inzwischen zu 100 Prozent zum Positiven geändert.“ Weniger Stress, weniger Hektik.

Der Umbau hat uns viel Geduld abverlangt. Aber es hat sich gelohnt.
Carsten Schönerstedt, stv. Kitaleiter
Umgestaltung sorgt für Orientierung
Alles begann mit dem bescheidenen Wunsch des Kitateams nach einer Schaukel. Der Träger, das gemeinnützige Forum Soziale Dienste (FSD gGmbH), dachte aber größer, holte einen auf Kitas spezialisierten Landschaftsplaner mit ins Boot. Gemeinsam entwickelten sie ein Konzept zur naturnahen und kindgerechten Gestaltung des Außengeländes.
Die Umsetzung erfolgte etappenweise zwischen 2016 und 2022. So waren nur die jeweiligen Bauabschnitte gesperrt und das Außengelände blieb zumindest teilweise nutzbar. „Das hat uns viel Geduld abverlangt. Aber es hat sich gelohnt“, sagt Schönerstedt. Inzwischen ist die kleine Oase inmitten einer Wohnsiedlung in Berlin-Friedrichsfelde fertig. Mit Sandkasten und Matschecke, Klettergerüst, Bewegungsbaustelle, U3-Bereich und der gewünschten Vogelnestschaukel. Mit klar voneinander abgegrenzten Bereichen, die dennoch ein harmonisches Gesamtbild abgeben.
Eine gute Organisation ist die Basis
Für die pädagogischen Fachkräfte kann es eine Herausforderung sein, auf dem weitläufigen Areal angesichts vieler Pflanzen und Spielplatzgeräte den Überblick zu behalten. Zumal sich die Kinder auch unter Büschen, in einem kleinen Tunnel oder in halb offenen Minihütten verstecken können, wenn sie mal allein sein wollen. Schlecht einsehbar, aber bewusst so gestaltet. „Es ist wichtig, dass die Kinder Rückzugsorte haben“, erklärt Kitaleiterin Meike Mansow. Für die Aufsichtspflicht gilt deshalb: „Wir müssen uns gut organisieren.“

„Bei uns sammeln die Kinder Naturerfahrungen und lernen daraus.“
Kitaleiterin Meike Mansow
Für Sicherheit sorgen klare Regeln, an die sich die 85 Kinder halten müssen. Ein sichtbares Zeichen dafür sind farbige Schilder, die an den Spielplatzgeräten hängen. Grün heißt für die Kinder: Ich darf das Gerät nutzen. Rot heißt: Es passt gerade kein Erwachsener auf, ich darf dort nicht spielen.
Das ganze Team bringt sich ein
Das verwendete Robinienholz ist übrigens sehr robust. Es hält bis zu 15 Jahre und damit länger als die meisten Kunststoffgeräte. Damit die kleine Oase in einem guten Zustand bleibt, müssen sich auch die Erzieherinnen und Erzieher an Regeln halten. Zum Beispiel packen alle jeden Tag mit an und fegen. „Das ganze Team muss mitmachen“, betont Meike Mansow. „Ansonsten wäre der Sand aus dem Matschbereich überall zu finden – nur nicht mehr im Sandkasten.“
Auch Kinder und Eltern durften mitbestimmen
Bei der Gestaltung durften Fachkräfte sowie die Kinder und Eltern mitbestimmen – auch wenn sich nicht alles umsetzen ließ. Beispielsweise das Baumhaus, das sich die Kinder gewünscht hatten.
Dafür ist aber eine große, schöne Kletterlandschaft entstanden. Zum Klettern gibt es darüber hinaus eine Konifere, die für diesen Zweck ideal gewachsen und nicht allzu hoch ist.

Welche Pflanzen sich für den Garten eignen, musste die Kita erst herausfinden. Für Weiden zum Beispiel war es zu trocken. Gras war den vielen kleinen Füßen buchstäblich nicht gewachsen. Gemeinsam mit der ökologischen und kindgerechten Beratungsstelle „Grün macht Schule – Kindergarten“ hat die Kita gute Lösungen gefunden. „Wir nutzen manche Pflanzen auch, um die Kinder zu leiten“, sagt Carsten Schönerstedt. In einem verwinkelten Bereich macht eine Hagebutte mit ihren Dornen das Klettern unattraktiv. Deshalb spielen die Kinder dort lieber nicht, sondern an zentraleren Orten, wo die Fachkräfte sie besser im Blick haben.
Die Gestaltung des Außengeländes passt zum bewegungsorientierten Ansatz der Kita. Viel weicher Sand als Fallschutz. Viele Steine, die als Begrenzung dienen und absichtlich etwas uneben sind. Das macht das Balancieren schwieriger. „Ein gewisses Spielrisiko einzugehen, fördert die Entwicklung der Kinder“, sagt Meike Mansow. „Sie sammeln Naturerfahrungen und lernen daraus.“ Dazu gehören eben auch mal ein paar Schrammen oder ein kleiner Splitter beim Spielen auf Stein und mit Holz.
Für die Kita, die nach dem offenen Konzept arbeitet, stellt das Außengelände einen zusätzlichen Funktionsraum dar. Deshalb ist der Garten auch im Winter zumindest für ein paar Stunden geöffnet. Im Sommer wird er ohnehin fast durchgehend genutzt.
Künstlicher Sonnenschutz ist kaum nötig, da die vielen Bäume, Hecken und Büsche genügend Schatten spenden. Für die Terrasse hat die Kita eine Markise installiert, über dem Sandkasten hängt ein kleines Sonnensegel – das war es schon. Highlight ist das Blätterdach aus Weinreben über der Matschecke. Alle 20 Zentimeter hängen dort die Trauben. Im Juli ist Erntezeit. Dann gibt es selbst gemachten, leckeren Traubensaft.
Tipp
Mehr Hinweise zur Gestaltung des Kita-Außenbereichs lesen Sie in der DGUV Information „Außenspielflächen und Spielplatzgeräte“. publikationen.dguv.de, Webcode: p202022.
Auf dem Acker wächst Gemüse
Apropos Erntezeit: Eine kleine Ackerfläche ergänzt seit ein paar Monaten die Hochbeete. Hier mulcht, pflügt, pflanzt, sät und erntet Vera Wallrodt mit den Kindern. Die Erzieherin hat den Anbauplan im Blick und koordiniert die „Arbeitseinsätze“ der Kleingruppen. „Das Umgraben mit den Kindern ist eine lustige Nummer“, sagt sie. „Alle sind immer begeistert am Buddeln – vor allem, wenn sie dann kleine Tierchen finden.“ Sehr beliebt gerade: Regenwürmer und Kellerasseln. Über Geschmack lässt sich halt nicht streiten.

Wenn Früchte und Gemüse gut angehen, landen sie in der Küche. Dann gibt es Palmkohl, Tomaten, Gurken, Möhren, Erdbeeren, Zucchini, Mais und Kürbis aus eigenem Anbau. Das schmeckt besonders gut. Erst recht, wenn die Kinder in der Schnibbel-AG selbst bei der Zubereitung helfen.
Die Ideen gehen der Berliner Kita nicht aus. Neben dem Klettergerüst ist eine Fläche mit einem kleinen Haselnussstrauch. Mit etwas mehr Bepflanzung sieht Carsten Schönerstedt das Potenzial für einen natürlichen Rückzugsort für Kinder. „Ein Iglu aus Blättern“, veranschaulicht er. Es könnte das nächste Projekt werden.
Florian dreht derweil noch eine letzte Runde in seinem neuen „Auto“. So enthusiastisch der Junge ist, er passt auch auf. Denn Rücksicht zu nehmen, lernen die Kinder, wenn sie mit ihren Tretrollern, Bobbycars, Lauf- und Dreirädern über den Parcours düsen. Und die Fachkräfte haben auch gelernt. Sie stehen nicht auf der Strecke, sondern auf der steinernen Umrandung. Die hilft den Kindern nicht nur, ihr Körpergefühl beim Balancieren zu entwickeln. Sie hilft auch den Erwachsenen, keine blauen Zehen zu bekommen.

Geräteprüfungen
Die Hauptuntersuchung der Spielplatzgeräte muss einmal pro Jahr durch eine sachkundige Person erfolgen. Die Funktion und Stabilität der Geräte sollte alle drei Monate von einer qualifizierten Person geprüft werden. Wichtig sind außerdem regelmäßige Sichtprüfungen, bei denen eine oder mehrere darin eingewiesene Personen aus dem Kitateam auf Sauberkeit, Scherben, Beschädigungen und andere offensichtliche Gefahren achten.