Achtung: Fangstelle

Schmuck, Kordeln und Seile können schnell zur Gefahr werden: Immer wieder kommt es zu schlimmen Unfällen, wenn Kinder beim Spielen hängen bleiben. Eine Kita in Baden-Württemberg hat auf den Trend zu langem Schmuck und Schals reagiert.

„Wir waren in großer Sorge“, sagt Julia Heid, stellvertretende Leitung des städtischen Kindergartens Gaggenau-Oberweier. Die pädagogischen Fachkräfte haben eine gefährliche Entwicklung in der Einrichtung in Baden-Württemberg beobachtet: Immer mehr Kinder kamen in Pullis und Jacken mit langen Kordeln oder mit Schmuck in die Kita. „Bei den Mädchen gab es den Trend zu herunterhängenden Ohrringen. Aber auch Ringe, Armbänder und lange Halsketten waren sehr beliebt“, erzählt eine Erzieherin. Eine echte Gefahr für die Kinder: Sie können sich strangulieren.

„Es gibt viele schlimme Unfälle mit Kordeln, Schals und Schmuck. Auch tödliche Unfälle gab es schon mehrfach in Kitas“, berichtet Holger Eckmann, Aufsichtsperson der Unfallkasse Baden- Württemberg. Der lange Ohrring verhakt sich beim Spiel im Haar eines anderen Kindes. Der Schal legt sich beim Klettern um einen Balken. Ein Kind erklimmt eine Fensterbank und bleibt mit seiner Schlüsselkette am Fenstergriff hängen.

Im Kindergarten in Gaggenau haben die pädagogischen Fachkräfte anfangs die Kinder gebeten, Ketten und Ringe abzulegen. Lange Schals unter die Jacken gesteckt. „Wir verstehen ja, dass die Kinder schön aussehen wollen. Aber das darf nicht auf Kosten der Sicherheit gehen“, sagt Julia Heid.

 

KURZ GESAGT!

  • Schnüre, Schmuck & Co sind ein Risiko für Kinder
  • Schmuck und Schals vor Bewegungsspielen ablegen
  • Schnüre von Rollos oder Jalousien entfernen
  • Die Eltern über Gefahren informieren

 

Fachkräfte als Vorbild

Auf dem Außengelände von Kitas gibt es viele mögliche Risiken. Auch wenn die Außenspielgeräte geprüft und frei von klassischen Fangstellen sind: Mit einem Loop können die Kinder trotzdem hängen bleiben. Gefährlich wird es auch, wenn mit Seilen oder Pferdegeschirren geklettert wird. „Heute gibt es Pferdegeschirre mit Klettverschluss, die sind ungefährlicher“, weiß die Aufsichtsperson. Grundsätzlich gilt: Mit Seilen wird nicht geklettert. Gleiches gilt für Fahrradhelme.

Aber auch in den Innenräumen kann es Gefährdungen geben. Besondere Vorsicht ist etwa bei Bewegungsbaustellen geboten. Schmuck und Schals müssen vor der Nutzung abgelegt werden. Dabei haben die pädagogischen Fachkräfte eine wichtige Vorbildfunktion. Tragen sie Ringe, Ketten, lange Ohrringe und Schals, ist den Kindern nur schwer vermittelbar, dass sie auf diese Accessoires verzichten sollen. Manche Fangstellen werden aber auch übersehen, beispielsweise Befestigungsseile von Hängematten oder Schnüre an Rollos und Jalousien. Diese müssen außerhalb der Reichweite von Kindern sein oder entfernt werden.

„Kinder können nicht erkennen, dass ihnen durch Fangstellen eine Gefahr droht“, erklärt Holger Eckmann. Aber nicht nur die pädagogischen Fachkräfte müssen vorbeugen und Gefährdungen beseitigen. Hier sind auch die Eltern ganz wesentlich in der Pflicht. Sie kaufen die Anziehsachen für die Kinder, sie erlauben ihnen, Schmuck in der Kita zu tragen. Vielen Eltern ist die Gefahr vermutlich gar nicht bewusst.

Den Dialog suchen

Kitas können deshalb Hausregeln aufstellen und das Tragen von Schmuck, Schals und Co in der Einrichtung verbieten. Aufsichtsperson Holger Eckmann empfiehlt, den Dialog zu suchen und die Eltern für das Thema zu sensibilisieren. Die Erzieherinnen und Erzieher können das Thema beispielsweise bei einem Elternabend oder bei Tür-und-Angel-Gesprächen aufgreifen. Manchmal hilft es auch, Broschüren in der Kita auszulegen oder zu verteilen.

Auch der städtische Kindergarten in Gaggenau ist aktiv auf die Eltern zugegangen: Als immer mehr Kinder regelmäßig mit Schmuck in die Einrichtung kamen, haben die Fachkräfte einen Beitrag für ihre Kindergartenzeitung verfasst und auf die Gefahren der Strangulation hingewiesen. „Lasst das bitte weg“, lautete die Botschaft an die Eltern. Seitdem ist es deutlich besser geworden.

 

SICHERHEIT FÖRDERN

  • Keine Schnüre und Kordeln an Kinderkleidung.
  • Offene Schnürsenkel können gefährlich werden. Sicher sind Schuhe mit Klettverschlüssen.
  • Schlüsselbänder, Ketten, Ohrringe und Ringe vor Bewegungsspielen ablegen.
  • Auf Loops verzichten.
  • Die Enden von langen Schals immer in die Kleidung stecken.
  • Kinder, die mit Riemen, Seilen oder Leinen spielen, dürfen nicht klettern.

 

INFOMATERIAL

Broschüre zu sicherer Kinderkleidung:
„Tipps, die Leben retten“:
publikationen.dguv.de > Bestellnummer: 202-065

Plakat „Gefahr durch Kordeln“
www.kuvb.de > Medien > Plakate

Homepage zu Kindersicherheit bei Sicht- und Sonnenschutz:
kindersicherheit.vis-online.de