Frau sitzt entspannt in einem Sessel in hellem Raum.

Pausenplanung in der PraxisBewusst abschalten

Wie eine große Kita in Duderstadt Pausen organisiert: mit flexiblem Zeitrahmen, festen Rückzugsorten und einer Leitung, die Pausenkultur als Führungsaufgabe versteht.

kurz & knapp

  • Flexible Pausengestaltung innerhalb eines festen Rahmens.
  • Störungsfreie Rückzugsorte ermöglichen Erholung.
  • Leitung sieht Pausenkultur als Führungsaufgabe an.

In der „Kita für Alle“ in Duderstadt gibt es für die pädagogischen Fachkräfte eine Menge Möglichkeiten, ihre Pausen zu verbringen. Die eine sitzt mit Kolleginnen im Pausenraum zusammen und klönt. Die andere macht es sich im Sessel bequem und schaltet ab, indem sie aus dem Fenster schaut und ihre Gedanken schweifen lässt. Die eine bewegt sich lieber, macht einen Spaziergang zum nahe gelegenen Teich. Der andere hängt im wahrsten Sinne des Wortes im Innenhof in der Hängematte ab. Und zwei Erzieherinnen kehren regelmäßig im Kloster gegenüber ein, um in der Stille Kraft zu tanken.

Mann entspannt in einer Hängematte im Innenhof.
„Das ist Balsam für die Seele“, sagt Moritz Heller zum „Powernap“ in der Hängematte.

„Uns ist daran gelegen, dass alle ihre Pausen grundsätzlich als wichtig ansehen“, sagt Moritz Heller, der die Kita auf dem Campus des Caritasverbands Südniedersachsen zusammen mit Elena Paluska leitet. Pausen seien eine Voraussetzung dafür, dass pädagogische Arbeit dauerhaft gelingen kann. Der Organisationsaufwand dafür ist hoch. „Es ist eine große Herausforderung“, unterstreicht Heller. Erst recht, wenn es beispielsweise aufgrund krankheitsbedingter Ausfälle personelle Engpässe gibt.

Zwischen Planung und Flexibilität

Die „Kita für Alle“ ist mit rund 170 Betreuungsplätzen und einem multiprofessionellen Team von mehr als 50 Mitarbeitenden eine große Einrichtung. Starre Pausenzeiten lassen sich kaum umsetzen. Deshalb gibt die Leitung einen zeitlichen Rahmen vor. „Die Kolleginnen und Kollegen sollen in sich reinhören“, veranschaulicht Moritz Heller. „Wann brauche ich eine Pause? Aber auch: Wann ist es möglich, eine Pause zu nehmen?“ Innerhalb des Zeitfensters von 11 bis 14 Uhr sprechen sich die Fachkräfte eigenverantwortlich ab. „Wir lassen im Dienstplan immer einen Spielraum, damit sich das Team untereinander absprechen kann“, ergänzt Elena Paluska. „Das klappt wirklich gut.“

In den Kernzeiten sorgen Vertretungen – sogenannte Springer – dafür, dass die Aufsicht in den Gruppen gewährleistet ist, um Auszeiten zu ermöglichen. „Wer braucht heute früher eine Pause, wer später? Das klären die Kolleginnen und Kollegen untereinander“, sagt Elena Paluska. „Die Kommunikation im Team ist auch gruppenübergreifend ganz wichtig.“

Drei Erwachsene gehen in der Pause an einem Teich spazieren.
Auszeit in der Natur: Kitaleiter Moritz Heller, Marisa Schäfer und Caner Karatas machen einen Spaziergang zum Teich.

Organisatorisch ist das Thema im Haus klar geregelt: Im Qualitätsmanagement-Handbuch sind Pausenprozesse, Zuständigkeiten und Rahmenbedingungen festgehalten. Für die Beschäftigten, neue Mitarbeitende und Auszubildende ist damit transparent, welchen Stellenwert Pausen haben.

Rückzugsorte drinnen und draußen

Zentraler Baustein der Pausenkultur ist ein eigener Raum, der in der Mittagszeit ausschließlich für diesen Zweck reserviert ist. Kein Drucker, keine Fachliteratur, keine Gespräche über Dienstliches. „Es ist ein Raum, in dem wir die Beschäftigten ganz bewusst nicht stören“, sagt Moritz Heller. Entsprechend ist auch die Gestaltung: „Reduziert und reizarm“, charakterisiert der Kitaleiter den Raum: Sessel, Sitzsäcke, ein Tisch mit Stühlen, Wasserspender – mehr braucht es nicht. Wichtig ist auch die Lage: weit genug weg vom Gruppengeschehen, um Abstand und Ruhe zu ermöglichen.

Außerhalb der Pausenzeiten wird der Raum für Besprechungen oder Elterngespräche genutzt. Aber eben nicht von 11 bis 14 Uhr, in der Zeit ist der Raum geblockt. Eine scheinbar kleine, in der Praxis aber entscheidende Vereinbarung.

Hinzu kommt noch ein Innenhof, der gerade in der warmen Jahreszeit mit Lounge-Möbeln, einer Hängematte und einer kleinen Teichanlage ein beliebter Rückzugsort ist. „Der Hof ist für die Kinder nicht zugänglich, sondern nur für das Personal“, sagt Moritz Heller.

Was eine gute Pause ausmacht

Marisa Schäfer macht ihre Pausen am liebsten nach dem Aufräumen und dem Mittagessen, „wenn der stressigste Teil des Tages geschafft ist“. Dann nutzt die Erzieherin die Zeit, um durchzuatmen. Sie unterscheidet für sich zwei Arten von guten Pausen: „Eine ruhige Pause alleine, wenn zum Beispiel der Kita-Tag besonders anstrengend war. Oder die Pause mit Kolleginnen und Kollegen, um sich auszutauschen und sich zu unterhalten.“

Dass Pausen tatsächlich genommen werden können, empfindet Marisa Schäfer in Duderstadt als positiv. „Das habe ich bei einer früheren Station auch schon anders erlebt“, sagt die Erzieherin. Eine aufgesplittete Pause in kurzen Blöcken oder eine Pause mit Rufbereitschaft seien jedenfalls nicht wirklich erholsam.

Frau sitzt entspannt und liest in einer gemütlichen Ecke.
Elena Paluska macht es sich während ihrer Pause im Sitzkissen bequem und schaut aus dem Fenster.

Ohne Auszeit steigt der Stresslevel

Wenn der Krankenstand besonders hoch ist, klappt es auch in der „Kita für Alle“ nicht immer mit den Pausen. „Aber generell achtet die Leitung darauf, dass wir Pausenvertretungen haben, oder sie springt auch selbst ein, um die Pause abzudecken“, lobt Marisa Schäfer. Mit einem Blick in den Dienstplan sieht sie, welche Pausenvertretung geplant ist. Da es in einer Kita aber oft genug spontan zugeht und improvisiert werden muss, kommt es zudem auf die Absprachen im Team und die gegenseitige Unterstützung an. Auch das würde funktionieren.

Bleibt die Pause aus, macht sich das sofort bemerkbar. „Ich merke, dass der Stresslevel steigt und dass ich schneller gereizt bin“, sagt Marisa Schäfer. Wichtig ist für sie deshalb der Pausenraum als echter Rückzugsort. Der Weg dorthin sei zwar recht lang, dafür sei es ruhig. „Ich bekomme nichts vom Lärm mit, kann wirklich abschalten.“ Bescheidene Wünsche gibt es dennoch: Die reizarme Gestaltung sei zwar schön. Aber ein Bild an der großen, kahlen Wand würde den Raum aus ihrer Sicht aufwerten und freundlicher machen.

Kitaleitung in der Vorbildrolle

In Duderstadt ist Pausenkultur kein abgeschlossener Zustand, sondern ein Prozess. Arbeitspläne werden überarbeitet, der Pausenraum soll weiterentwickelt werden, neue Impulse – etwa durch bewegte Pausen oder trägerseitige Gesundheitsangebote – kommen hinzu.

Die Kitaleitung will mit gutem Beispiel vorangehen. „Ich wünsche mir, dass Pausen bewusst genossen werden“, sagt Moritz Heller. Dazu gehört auch, das Smartphone mal beiseitezulassen, ins Gespräch zu kommen oder sich zu bewegen. Er selbst spaziert gern in den Park oder macht im Sommer für zehn Minuten einen „Powernap“ in der Hängematte. „Das ist Balsam für die Seele“, sagt er. Sein Fazit: „Die Pause hat einen Mehrwert. Wenn ich sie gut gestalten kann, geht es mir besser und ich bleibe langfristig gesünder.“

Tipp

Infos zur guten Gestaltung von Pausenräumen finden Sie hier:

www.sichere-kita.de/pausenraum/

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