Finger weg von Modellgips!

Einmal kurz die Hand oder den Fuß in Gips gedrückt, danach bunt angepinselt – und fertig ist ein Kunstwerk. Basteln mit Gips ist beliebt, auch in der Kita. Das Material ist günstig und vielseitig. Was kaum jemand weiß: Basteln mit Modellgips kann schwere Verletzungen verursachen.

„Bekannt ist, das Gips warm wird“, sagt Sicherheitsexpertin Christina Walther von der Unfallkassen Hessen. „Aber die allermeisten sind sich nicht bewusst, wie rapide die Temperatur ansteigt.“ Erst der Unfall einer Studentin aus Hessen hat deutlich gemacht, wie schlimm die Folgen sein können.

 

KURZ GESAGT!

  • Schwerer Unfall beim Basteln mit Modellgips
  • Material für Hobbybastler kann sich erhitzen
  • Keine Warnung auf der Packung
  • Kitas sollten nicht mit Gips basteln
  • Expertin rät: Alginat oder Silikon verwenden

 

Die junge Frau hatte ihre Hand fast vollständig in die Gipsmasse eingetaucht. Während des Aushärtens stieg die Temperatur auf fast 50 Grad. Als die junge Frau die Hitze bemerkte, war der Gips bereits so hart, dass sie ihre Hand nicht mehr herausziehen konnte. Erst der Rettungsdienst konnte sie befreien. Die Studentin erlitt so schwere Verbrennungen, dass zwei Finger amputiert werden mussten. Deshalb rät Christina Walther: „Finger weg von Modellgips!“

Die Studentin konnte nicht ahnen, dass sie schwere Hautverletzungen riskierte. Sie hatte sich strikt an die Herstellerangaben gehalten, als sie etwa fünf Liter der Gipsmasse ansetzte. Bei dem Modellgips handelte es sich um ein normales Produkt aus dem Baumarkt, das üblicherweise Hobbybastler für den Modellbau verwenden. Schwangere fertigen mit der weißen Masse gerne Abdrücke ihres Babybauchs an, Eltern verewigen damit die kleinen Finger ihres Kindes.

„Auf der Packung steht nichts davon, dass die Temperatur auf 48 bis 50 Grad steigen kann“, warnt die Sicherheitsexpertin. Ein solcher Hinweis finde sich weder im – vom Hersteller freiwillig erstellten – Sicherheitsdatenblatt noch im technischen Merkblatt zur Verwendung. Auch werde nirgends erwähnt, dass der Gips nicht zur Abformung von Körperteilen verwendet werden soll. Hinzu kommt: „Das Produkt ist nicht als Gefahrstoff eingestuft“, so Christina Walther.

Gefahr nach wenigen Minuten

Nach dem Unfall untersuchte das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) im Labor die Temperaturentwicklung vergleichbarer Produkte. Das Ergebnis: Alle Gipsmassen entwickelten eine ähnliche Hitze, die schon nach wenigen Minuten die Haut stark verletzen kann.

Normalerweise, sagt Christina Walther, drücke man die Hand nur kurz in die Masse – und ziehe sie aus Reflex bei Hitze sofort wieder raus. Viele Abdrücke würden auch aus Gipsbinden angefertigt, dabei kühle die Temperatur schneller wieder ab.

Sichere Variante wählen

Trotzdem rät die Sicherheitsexpertin, lieber andere Materialien zum Basteln zu verwenden. „Es gibt gute Alternativen“, betont sie. Zum Beispiel Alginat oder Silikon. Alginat wird aus Meeresalgen hergestellt und bildet zusammen mit Wasser ein elastisches Gel. Silikon birgt ebenfalls keine Gesundheitsgefahren. Möglich sei auch, Gipsbinden zu verwenden, die für medizinische Zwecke vorgesehen sind, so die Auskunft der Hersteller.

Deshalb rät die Sicherheitsexpertin, dass Kitas die sichere Variante wählen sollten – und mit Kindern besser mit Alginat oder Silikon arbeiten. „Beides ist ungefährlich“, erklärt sie, „allerdings etwas teurer als Modellgips.“

 

SICHERE ALTERNATIVEN ZU MODELLGIPS

Alginat besteht aus Algenextrakt und ist ein reines Naturprodukt. Das Pulver wird mit Wasser zu einem Gel angerührt. Damit können zum Beispiel sehr detailgetreue 3-D-Abdrücke von Händen angefertigt werden. Einfach die Hand in einen Behälter mit der Masse tauchen, kurz stillhalten und fertig. Die Form kann nur ein, zwei Tage lang benutzt werden. Alginat ist in Läden für Bastel- und Künstlerbedarf oder im Internet erhältlich. Ein Kilo kostet etwa 25 Euro.

Auch Silikonkautschuk ist eine gute Wahl, um Formen herzustellen oder zu füllen. Nach dem Trocknen bleibt die Masse weich und elastisch. Die Abdrücke sind sehr detailgetreu. Vorteil ist, dass die Formen beliebig oft verwendet werden können.
Zum Basteln sollte Silikon aus dem Bastelladen verwendet werden. Kein Silikon für Fugen aus dem Baumarkt benutzen, da einige Produkte bakterientötende Substanzen enthalten. Ein Kilo kostet etwa 30 Euro.

Wichtig: Generell gilt, dass unbedingt die Angaben der Hersteller beachtet werden müssen. Auf der Packung muss explizit der Hinweis stehen, dass das Produkt am Körper verwendet werden kann.