Frische Luft, bitte!

Richtiges Lüften ist für ein gesundes Innenraumklima entscheidend – und besonders während der Corona-Pandemie wichtig. Ein Lüftungskonzept ist dabei hilfreich. Das zu erstellen, ist gar nicht so kompliziert.

Die Verunsicherung in Sachen Lüften ist groß: Wie oft und wie lange ist richtig? Uwe Hellhammer, Aufsichtsperson bei der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen kann dies nachvollziehen. „Ein gutes Innenraumklima ist aber schon immer wichtig gewesen, nicht erst seit Corona“, erklärt er. Im Prinzip sollten deshalb alle Kindertageseinrichtungen bereits heute über ein im Alltag bewährtes Lüftungskonzept verfügen, in dem ein regelmäßiges Stoßlüften der Räumlichkeiten eine zentrale Rolle spielt.

 

KURZ GESAGT!

  • Lüftungskonzepte sind die Basis für gute und gesunde Raumluft
  • Betriebsärztlicher Dienst und Fachkraft für Arbeitssicherheit können Kitas unterstützen
  • CO2-Messgeräte und die App CO2-Timer sind gute Hilfsmittel

 

Allgemein gültige Empfehlungen zum effektiven Lüften auszusprechen ist schwierig, denn: „Dafür spielen die Größe und Anordnung der Fenster, die Raumgrößen, Deckenhöhen und auch die verschiedenartige Nutzung der Innenräume eine Rolle. In den Kitas gibt es jedoch unterschiedliche bauliche Gegebenheiten“, so Hellhammer.

Was heißt das konkret? Wann also muss gelüftet werden? „Das muss der Träger gemeinsam mit dem Kitapersonal für die jeweilige Einrichtung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung eigens ermitteln“, meint er und ergänzt: „Der betriebsärztliche Dienst und die Fachkraft für Arbeitssicherheit können den Träger und das Team dabei unterstützen, ein passendes Lüftungskonzept zu erstellen.“ Man solle sich nicht scheuen, diese Beratungsleistungen abzurufen. „Die Kompetenzen sind vorhanden, die Fachleute sind auch in anderen Einrichtungen unterwegs und haben einen guten Überblick“, so Hellhammer. Das Kernstück eines Lüftungskonzepts beinhaltet sinnvolle Intervalle und Zeiten für das Lüften aller (!) regelmäßig genutzten Innenräume einer Einrichtung.

Minusgrade im Winter sollten nicht vom Lüften abhalten. Ob man nun mit den Kindern während des Stoßlüftens den Raum verlässt oder sich alle einmummeln und man ein Spiel daraus macht – hier ist ein wenig Einfallsreichtum gefragt.

CO2-Messgeräte sind hilfreich

In der Praxis bewährt es sich, vor dem Betriebsbeginn, regelmäßig im Tagesablauf, nach dem Mittagessen, dem Schlafen und intensiveren Bewegungsspielen sowie zusätzlich bei Bedarf mehrere Minuten bei weit geöffneten Fenstern für frische Luft zu sorgen. Zur Ermittlung der Luftqualität können Hilfsmittel wie CO2-Messgeräte/-Ampeln oder die CO2-App des Instituts für Arbeitsschutz (IFA) nützlich sein. „Zum einen ist ein hoher CO2-Wert in Innenräumen per se problematisch, die Luft ist verbraucht. Zum anderen ist der CO2-Wert mit einer möglichen Virus last gekoppelt“, erläutert Hellhammer. Aus den Ergebnissen zu verschiedenen Tageszeiten ergeben sich Erfahrungswerte, wann der Raum gelüftet werden muss – spätestens aber, wenn die kritische Schwelle von 1.000 ppm CO2 überschritten wird. Messgeräte zeigen auch, wann die Innenraumluft wieder „frisch“ genug ist – daraus lässt sich die Lüftungsdauer ableiten. Sind die Parameter wie Raum- und Fenstergröße, Nutzungsart und Personenanzahl vergleichbar, sind die Ergebnisse auch auf andere Räume übertragbar. Ein dauerhaftes Überprüfen kann somit entfallen, denn die ermittelten Werte sind für den Alltag in dieser Kita repräsentativ.

Wenn beim Stoßlüften Fenster in einem oberen Stockwerk geöffnet sind, ist besondere Umsicht gefragt. Hellhammer betont: „Wirksame Absturzsicherungen müssen an allen Fenstern einer Kita vorhanden sein, trotzdem ist eine permanente Aufsicht notwendig, damit Kinder nicht etwa Gegenstände vors Fenster schieben und auf das Fensterbrett klettern.“ Er empfiehlt deshalb, beim Lüftungskonzept das Thema Aufsicht gleich mitzudenken. Besonders gesicherte Eingangs- und Terrassentüren, die in ungeschützte Bereiche führen, zum Beispiel auf die Straße, dürfen bei einem Lüftungskonzept aus Sicherheitsgründen nicht berücksichtigt werden.

 

DIE FENSTERLÜFTUNG

ist die einfachste Art, für ein gutes Raumklima zu sorgen. Einrichtungen, die mit raumlufttechnischen Anlagen ausgestattet sind, verfügen über ein spezielles Raumluftkonzept. Daran sollte man sich unbedingt halten und die Anlagen während der Betriebszeit keinesfalls abschalten. Ventilatoren sind keine Alternative zum Lüften, da sie die Innenraumluft nicht austauschen, sondern lediglich verwirbeln.

 

 

Mit der kostenlosen App des Instituts für Arbeitsschutz (IFA) „CO2-Timer“ für iOS und Android lässt sich die CO2-Konzentration in Räumen abschätzen, um das Lüftungsverhalten zu optimieren.

Weitere Hinweise
im SARS-CoV-2 – Schutzstandard Kindertagesbetreuung:
www.dguv.de, Webcode: d1182837

SARS-CoV-2- Arbeitsschutzregel:
https://kurzelinks.de/arbeitsschutzregeln

Empfehlungen zum Lüften von Innenräumen:
www.dguv.de, Webcode: p021576