Zwei Frauen unterhalten sich am Wasserspender als Teil einer gesunde Ernährung für Kita-Beschäftigte im Büroalltag.

ErnährungIn Ruhe gesund essen und trinken

Für die gesunde Verpflegung der Kinder in Kitas gibt es klare Empfehlungen, Richtlinien und sogar Zertifikate. Gut so. Doch wenn man sich die Essgewohnheiten der Erwachsenen, die in den Einrichtungen arbeiten, ansieht, erkennt man Optimierungsbedarf. Wir sprachen darüber mit zwei Expertinnen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Erzieherinnen und Erzieher leisten täglich intensive Betreuungsarbeit, oft ohne geregelte Pause. Welche Folgen hat es, wenn Mahlzeiten dauerhaft nur „nebenbei“ eingenommen werden?

Susanne Leitzen: Das „Essen nebenbei“ führt nachweislich zu ungünstigen Essmustern und erhöhtem Stress. Wer keine feste Essenszeit hat, lässt Mahlzeiten häufiger aus, verschiebt sie oder isst hastig – oft mehr, als der Körper braucht. Unter Zeitdruck greifen viele zu schnellen, energiedichten Snacks, während ausgewogene Mahlzeiten ausfallen. Zudem beeinträchtigt ständiges Snacking ohne echte Esspausen den Stoffwechsel, fördert langfristig den Fettaufbau und kann sich ungünstig auf Blutfett- und Zuckerwerte auswirken. Gegen etwas Obst, Gemüse, Naturjoghurt sowie ungesalzene und ungesüßte Nüsse als Snack zwischendurch ist nichts einzuwenden.

Welche Ernährungsfehler beobachten Sie besonders häufig bei Menschen in sozialen Berufen mit hohem Stressniveau – und warum ist Zeitmangel dabei so entscheidend?

Susanne Leitzen: Wir sehen vor allem unausgewogene, unregelmäßige und stark „zeitoptimierte“ Essmuster. Typisch sind zu wenig Obst und Gemüse, ein hoher Konsum von Fast Food, Snacks und Fertiggerichten sowie mehr süße Getränke oder zuckerreiche Snacks für die „schnelle Energie“. Emotionale Belastung fördert zusätzlich den Griff zu „Comfort Food“.

Sonja Fahmy: Zeitmangel ist dabei der zentrale Treiber: Wenn Pausen ausfallen oder ständig verschoben werden, werden Hauptmahlzeiten ausgelassen, frisch kochen ist kaum möglich und spontane Snacks ersetzen strukturierte Mahlzeiten. Der Personalmangel verschärft das Problem, weil der Arbeitsalltag kaum planbar ist und Flexibilität gefordert ist – oft zulasten einer ausgewogenen Verpflegung.

Kitaleitungen tragen Verantwortung für ihr Team. Inwiefern sind sie auch in puncto Ernährung und Selbstfürsorge Vorbilder?

Sonja Fahmy: Fachkräfte haben eine klare Vorbildrolle für die Kinder – allerdings ist das gemeinsame Essen mit der Gruppe keine echte Pause. Für das Team wiederum prägt die Kitaleitung maßgeblich, wie Ernährung und Selbstfürsorge im Arbeitsalltag gelebt werden. Entscheidend ist, ob Führungskräfte gesunde Routinen sichtbar vorleben – etwa durch regelmäßige Mahlzeiten und gesunde Getränke, auch in stressigen Zeiten. Darüber hinaus kann die Leitung die Rahmenbedingungen aktiv gestalten: strukturierte und abgesicherte Pausenzeiten, realistische Essensfenster im Dienstplan, klare Ermutigung zur Pausennutzung und gesundheitsfördernde Angebote wie Trinkwasserspender oder Obst- und Gemüsekisten im Pausenraum. So setzt sie ein starkes Signal für eine gesundheitsbewusste Kultur – für Mitarbeitende wie für die Kinder.

Trinken fällt im Kita-Alltag oft hinten runter. Wie lässt sich ausreichendes Trinken trotz vollen Programms zur Gewohnheit machen?

Sonja Fahmy: Wenn wir zu wenig trinken, kann dies zu Leistungsabfall, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und Kreislaufproblemen führen. In der Kita gibt es für die Kinder häufig „Trinkpausen“. Dies hat den Vorteil, dass sie beim Spielen das Trinken nicht vergessen. Diese Trinkpausen sollten genauso für die Erzieherinnen gelten, dann bleibt die Flüssigkeitsversorgung auch nicht auf der Strecke.

Betriebliche Gesundheitsförderung ist in vielen Unternehmen längst etabliert – in Kitas aber noch selten ein Thema. Warum sollte gesunde Ernährung ein fester Bestandteil davon sein?

Susanne Leitzen: Sie erreicht gleich zwei Ebenen: Sie stärkt die Gesundheit der Mitarbeitenden und fördert gleichzeitig die frühkindliche Gesundheitsbildung. Eine Kita, die eine klare Ernährungskultur lebt, wirkt nach außen als gesundheitsbewusste Einrichtung und schafft nach innen Orientierung und Entlastung – etwa durch Regeln zum Umgang mit Süßigkeiten, eine angenehme Essatmosphäre oder verlässliche Ruhezeiten. Auch garantierte Pausen und ein gesundes Angebot für das Team steigern Zufriedenheit und Wohlbefinden.

Wie könnte ein realistischer erster Schritt aussehen?

Susanne Leitzen: Klein, sichtbar und gemeinsam umsetzbar, zum Beispiel eine Bestandsaufnahme im Team: „Was essen und trinken wir eigentlich im Alltag? Wo erleben wir Belastung?“, gefolgt von einem konkreten Ziel. Sinnvoll kann etwa sein, Wasser in allen Gruppen- und Teamräumen gut sichtbar bereitzustellen oder eine Ess- und Pausenvereinbarung zu starten, die echte Erholungszeit ermöglicht. Auch die frühe Einbindung der Eltern, etwa über Infoplakate oder Aktionen zum gesunden Frühstück, unterstützt eine ganzheitliche Ernährungskultur.


Unsere Gesprächspartnerinnen

Zwei lächelnde Frauen vor orangefarbenem Hintergrund als Experten für gesunde Ernährung für Kita-Beschäftigte.
Fotos: DGE

Die Diplom-Ernährungswissenschaftlerinnen Susanne Leitzen (links) und Sonja Fahmy (rechts) arbeiten innerhalb des DGE-Projekts „IN FORM in der Gemeinschaftsgastronomie und -verpflegung“ als Referentinnen für den Fachbereich Betriebs- und Hochschulverpflegung beziehungsweise Kitaverpflegung.

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