Pausen sind gesetzlich verankert. Doch wenn im Kita-Alltag das Personal knapp und die Situation stressig wird, fallen sie auch mal aus. Warum Pausen unverzichtbar sind und welche Verantwortung Leitungen dabei tragen, erklärt Verdi-Expertin Elke Alsago.
kurz & knapp
- Ab sechs Stunden Arbeitszeit sind mindestens 30 Minuten Pause Pflicht.
- Leitungen müssen Pausen organisieren und durchsetzen.
- Nicht genommene Pausen erhöhen das Risiko von Konflikten.
In Kitas gelten die gleichen Arbeitsschutzgesetze wie in jedem anderen Betrieb: Bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden müssen Beschäftigte eine Pause von mindestens 30 Minuten machen, ab neun Stunden Arbeit sind es 45 Minuten. Wer weniger als sechs Stunden arbeitet, hat gesetzlich kein Anrecht auf eine Pause.
Sinnvoll wäre sie für Teilzeitkräfte trotzdem. „Der Alltag in einer Kita ist so belastend, dass eigentlich niemand sechs Stunden ohne Unterbrechung durcharbeiten sollte“, betont Dr. Elke Alsago, Leiterin der Verdi-Bundesfachgruppe Erziehung, Bildung und Soziale Arbeit. Als ehemalige Kitaleiterin spricht sie aus Erfahrung: Viele pädagogische Fachkräfte hätten kaum Zeit, auch nur zur Toilette zu gehen oder etwas zu trinken – geschweige denn, sich kurz zu erholen.
Verschieben ja, streichen nein
Dabei sind Pausen kein „Nice-to-have“, sondern sie erfüllen eine wichtige Schutzfunktion. Entsprechend eindeutig ist die Rechtslage: Pausen dürfen nicht gestrichen werden. Verschiebungen sind möglich – aber nur, wenn die Pause dennoch in vollem Umfang stattfinden kann.
Im Alltag stellt Alsago jedoch oft einen anderen Umgang damit fest: „Viele Erzieherinnen und Erzieher bieten von sich aus an, keine Pause zu machen und durchzuarbeiten.“ Das sei gut gemeint, aber unzulässig.
Pausenzeiten als Teil der Dienstplanung
Deshalb sollten Pausen nicht dem Zufall überlassen werden. Alsago sagt: „Man muss Pausen fest in den Dienstplan einbauen.“ Entscheidend sei eine vorausschauende Planung:
- Pausen in weniger intensive Zeiten legen, beispielsweise in die Schlafenszeit der Kinder.
- Überschneidungen im Personaleinsatz schaffen, damit Ablösungen verlässlich stattfinden können.
- Von Anfang an einplanen, dass jemand einspringen kann, ohne dass die Aufsicht gefährdet wird.
Leitungen müssen auch aus Haftungsgründen darauf bestehen, dass Pausen eingehalten werden. Kommt es zu einem Zwischenfall, der auf Übermüdung zurückzuführen ist, „haftet die Leitung, wenn sie nicht nachweisen kann, dass sie auf Pausen bestanden hat“, verdeutlicht Alsago. Denn Leitungen tragen die vom Arbeitgeber übertragene Fürsorgepflicht für die Beschäftigten.
Natürlich können Leitungen nicht permanent kontrollieren, ob jede Pause wirklich stattfindet – besonders in großen Häusern. Aber sie müssen Pausen so planen, dass sie möglich sind. „Solange mir niemand etwas anderes signalisiert, gehe ich davon aus, dass sie genommen werden“, sagt Alsago, die selbst eine Kita mit 300 Plätzen und 60 Beschäftigten geleitet hat.
Bei strukturellen Problemen ist der Träger gefragt
Wenn die Personaldecke so dünn ist, dass Pausen strukturell kaum möglich sind, führt der Weg der Leitung zum Träger. Alsago betont: „Wenn ich als Leiterin erkenne, dass ich meine Fürsorgepflicht nicht erfüllen kann, muss ich eine Gefährdungsanzeige stellen.“ Das gelte bereits beim ersten Auftreten eines Engpasses: „Wenn es heute nicht geht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es morgen wieder passiert.“
Die Aufgabe des Trägers ist es, die notwendigen Strukturen zu schaffen. Dazu gehört es, für genügend Personal zu sorgen und Tools für die Dienstplanung bereitzustellen. Außerdem muss es geeignete Pausenräume in der Kita geben, abseits des Gruppengeschehens und ausgestattet mit erwachsenengerechtem Mobiliar.
Nicht genommene Pausen belasten Fachkräfte und Kinder
Aktuelle Verdi-Untersuchungen belegen die Wichtigkeit des Themas: Zwischen nicht genommenen Pausen und verletzendem Verhalten besteht demnach ein Zusammenhang. Eine schlechte Pausenkultur sei laut Alsago zwar nicht die Ursache, aber ein Anzeichen für großen Stress in der Kita. Deutlich zeige sich das sogar bei Konflikten zwischen Kindern. „Wenn pädagogische Fachkräfte erschöpft sind, können sie Zwischenfälle schlechter wahrnehmen und weniger angemessen reagieren“, weiß die Verdi-Fachfrau.
Aber auch der Umgang im Team selbst leidet: Wer erholt ist, kann aufmerksam begleiten, Konflikte moderieren und sensibel reagieren. Umgekehrt steigen Stress, Gereiztheit und Fehleranfälligkeit ohne Pausen laut Verdi-Studie messbar an. Eskalationen bis hin zu Mobbing nehmen zu. „Das ist Ausdruck eines insgesamt angespannten Systems“, unterstreicht Alsago.
Die Schlussfolgerung: Auch in Engpasssituationen müssen Pausen ermöglicht werden. „Wenn das nicht geht, muss der Träger informiert werden – sofort und möglichst schriftlich“, sagt Alsago. Denn Pausen fördern das Wohlbefinden der Fachkräfte, stärken das Teamklima und verbessern damit insgesamt die pädagogische Qualität. „Man arbeitet einfach besser, wenn man erholt und entspannt auf die Kinder zugehen kann“, fasst Elke Alsago zusammen.
Mehr Tipps gibt´s online
Mehr Infos zur Verdi-Studie „Arbeitsbedingungen und verletzendes Verhalten im Alltag der Sozialen Arbeit“ (AVASA):
www.avasa.verdi.de
