Lärm gilt als einer der häufigsten Belastungsfaktoren in Kitas. Er betrifft Beschäftigte und Kinder gleichermaßen und beeinträchtigt auch die pädagogische Arbeit. Viele Ursachen sind gut beeinflussbar, wenn man sie erst einmal erkannt hat.
kurz & knapp
- Lärm in Kitas verursacht Stress, beeinträchtigt Gesundheit, Kommunikation und Lernprozesse.
- Schlechte Raumakustik zählt zu den häufigsten Ursachen.
- Teams, die Ursachen systematisch analysieren, erzielen spürbare Entlastung.
Es geht rund im Kitaflur und es ist laut. Es ist gegen 15 Uhr, nach und nach werden die ersten Kinder abgeholt, gleichzeitig flitzen andere noch herum und rufen über die allgemeine Unruhe hinweg nach ihren Spielkameraden: „Mika, du bist abgeholt!“ Während die Eltern ihren Nachwuchs einsammeln und nach einigen Minuten die Kita wieder verlassen, versuchen die pädagogischen Fachkräfte, die Situation im Wortsinne zu beruhigen. Messungen haben ergeben, dass es in einigen Einrichtungen auch einmal Lärmpegel gibt, die man sonst eher in der Nähe von Großbaustellen erwartet, in denen Presslufthämmer zum Einsatz kommen.
Lärm belastet Gesundheit und Lernen
„Hohe Lärmbelastungen sind aus vielen Gründen schlecht“, stellt Uwe Hellhammer von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen nüchtern fest. Zwar ist es in Kitas nicht zu erwarten, dass das Gehör Schaden nimmt, aber „Lärm nervt“. Das ist wörtlich zu verstehen, denn Dauergeräusche setzen den menschlichen Körper unter Stress, mit den bekannten gesundheitlichen Folgen. Lärmbedingter Stress wird beispielsweise mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang gebracht. Auch der Stimmapparat leidet. Das für sich genommen ist schon alarmierend genug, aber Hellhammer weist auf weitere negative Auswirkungen jenseits gesundheitlicher Risiken hin: Das Zuhören fällt schwerer, generell ist die ganze mündliche Kommunikation erschwert. Auch ist es bei Lärm deutlich schwieriger, sich Dinge zu merken, sich zu konzentrieren, kurz: zu lernen. Sprachförderung unter solchen Bedingungen ist herausfordernd bis unmöglich. Lärmgeplagte und deshalb gestresste Fachkräfte sind bisweilen, verständlicherweise, schneller gereizt, ungeduldig sowie weniger einfühlsam. Und natürlich sind auch die Kinder selbst betroffen, denn auch sie leiden unter Lärm. Das kann sich beispielsweise durch Unruhe, Müdigkeit, Erschöpfung, Wut, Kopfschmerzen und vermehrte Konflikte zwischen den Kindern zeigen. Außerdem sind ihre Konzentrationsfähigkeit und ihr Sprachverstehen beeinträchtigt. Die Folgen können für die Entwicklung fatal sein.
Infos gegen Lärm im Web
Eine ausführliche Betrachtung zu Wirkungen von Lärm auf Kinder und pädagogische Fachkräfte:
www.sichere-kita.de
Gegen Lärm: Praktische Pädagogik- und Organisationstipps der Unfallkasse Hessen
www.ukh.de
Lärmprävention: Auf dem Weg zur leisen Kita; Infos der Unfallkasse Berlin
www.unfallkasse-berlin.de
Weniger Kita-Lärm durch optimierte Akustik; Infos der Unfallkasse Nord
www.uk-nord.de
Geht´s auch leiser? Maßnahmen gegen Lärm; Beitrag der BGW
www.bgw-online.de
Ursachenforschung
Wenn Lärm also ein ständiges Thema in einer Einrichtung ist, dann muss man den Ursachen auf den Grund gehen. Der subjektive Eindruck ist das eine. „Erfahrungsgemäß ist er auch bereits ausreichend, um Ursachenforschung zu betreiben“, meint Hellhammer. „Besonders wenn weitere Kolleginnen und Kollegen ähnlich empfinden.“ Wer den eigenen Eindruck aber überprüfen will, kann sich etwa die fachliche Unterstützung der Fachkraft für Arbeitssicherheit einholen. Objektive Daten helfen dabei, den subjektiven Eindruck zu untermauern. So werden etwa im Internet für orientierende Messungen oder Berechnungen kostenlose Apps oder Tools angeboten. Die Nachhallzeit beschreibt, vereinfacht gesprochen, wie lange ein Ton in einem Raum nachklingt. Je länger der Nachhall, desto schlechter die Akustik eines Raums – zumindest, wenn man dort kommunizieren will. Oft liegt eine laute Lärmkulisse also an zu langen Nachhallzeiten – hier hilft dann nur, sich von Fachleuten, etwa aus dem Bereich Akustik, Rat zu holen und, falls nötig, eine raumakustische Sanierung durchzuführen.
Pädagogisch gegensteuern
Manchmal aber ist nicht die Raumakustik das zugrunde liegende Problem – oder nur ein Teil dessen. „In vielen Fällen können die Fachkräfte viel bewirken, indem sie Abläufe ändern oder Ideen entwickeln, wie man pädagogisch gegen die zu große Lautstärke angehen kann“, meint Hellhammer und betont, dass das keinesfalls bedeute, ständig zum Leisesein zu ermahnen. „Oft hilft es schon, Gruppen zu verkleinern oder mehr nach draußen zu gehen.“ So setzen Einrichtungen auch Lärmampeln ein, um die Kinder dafür zu sensibilisieren, dass es zu laut ist. Lärmampeln sind kleine Geräte, die je nach Lautstärke ein visuelles Signal senden: Rot für „zu laut“. „Dann müssen aber Konsequenzen folgen. Was passiert, wenn die Ampel Gelb oder Rot anzeigt?“ Ist das geklärt – und wird es auch umgesetzt –, hält Hellhammer eine Lärmampel für eine sinnvolle Ergänzung im pädagogischen Repertoire gegen zu viel Lärm.
„Am Ende zählt vor allem eins: dass sich die Leitung mit dem Team zusammensetzt und ernsthaft darüber spricht“, meint der Fachmann der Unfallkasse NRW. Vielleicht ist es erforderlich, auch den Träger sowie Fachleute einzubinden. Manchmal reichen Änderungen der Abläufe und schlaue Ideen für Ruhephasen aus, manchmal müssen bauliche Verbesserungen vorgenommen werden – eine gut angelegte Investition, wenn man die negativen Folgen von Lärm bedenkt. ◆

