kurz & knapp
- Technische Maßnahmen haben beim Sonnenschutz Priorität.
- Grundlage für die Planung ist die Gefährdungsbeurteilung.
- Bei der Sonnenschutzauswahl die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen.
Im Sommer war es für die Kinder der AWO-Kita Wanneweg und auch für das Team unerträglich heiß auf dem Außengelände. An einen Aufenthalt im Freien war in der Hitze nicht zu denken, auch weil ein ausreichender Schutz vor UV-Strahlung fehlte. Die Kita im niedersächsischen Weddel hat deshalb ein Sonnensegel installiert. „Unser Ziel war es, einen sicheren und dauerhaft nutzbaren Schattenbereich zu schaffen, der die Kinder vor intensiver UV-Strahlung schützt und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität für die pädagogischen Fachkräfte im Außenbereich erhöht“, erklärt Kitaleiterin Catalin Cromberg.
Ergebnis: Aktivitäten können auch im Sommer nach draußen verlagert werden. Vorher kaum nutzbare Bereiche werden regelmäßig in den Tagesablauf integriert, weil die Kinder nicht mehr der UV-Strahlung ausgesetzt sind und die Temperatur unter dem Segel deutlich angenehmer ist. Auch die Fachkräfte fühlen sich entlastet, weil sie nicht mehr so stark darauf achten müssen, Kinder aus der Sonne zu holen und den Aufenthalt im Freien zu begrenzen.
Technische Maßnahmen haben Vorrang
Die Kita Wanneweg hat damit das klassische TOP-Prinzip des Arbeitsschutzes beherzigt. Demnach haben technische Maßnahmen Vorrang vor organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen. Logisch: Ein Sonnensegel spendet eben immer zuverlässig Schatten über dem Sandkasten.
Technische Lösungen müssen nicht zwingend künstlich sein. Auch große Bäume sowie dichte, hohe Hecken und Sträucher können für Beschattung sorgen. Darüber hinaus kühlen sie die Luft durch Verdunstungskälte etwas ab. Das Kitagebäude selbst kann ebenfalls als Sonnenschutz fungieren, sofern sein Schatten auf das Außengelände fällt.
Es ist daher wichtig, schon bei der Planung den Verlauf der Sonne zu berücksichtigen. Denn ihre Position ändert sich nicht nur im Tages-, sondern auch im Jahresverlauf – und damit auch der Schattenwurf. Ein Beispiel: Liegt der Schatten des Kitahauses im Januar zur frühen Mittagszeit noch genau auf der Rutsche, muss das zur selben Uhrzeit im Juli nicht zwangsläufig auch der Fall sein. Es ist also sinnvoll, Spielplatzgeräte dort zu planen und zu installieren, wo in den Sommermonaten ohnehin natürlicher Schatten ist.
Besonders gefährdete Bereiche ermitteln
Schattige Bereiche sind überall dort notwendig, wo sich Kinder oft und lange aufhalten. Dazu gehören Sandkästen sowie Matsch- und Wasserflächen. Welche Bereiche außerdem geschützt werden müssen, lässt sich in der Gefährdungsbeurteilung ermitteln. Bei der Erstellung sollten die pädagogischen Fachkräfte eingebunden werden, denn sie wissen am besten, wo die Kinder am liebsten und am längsten spielen.
Die Kitabeschäftigten selbst brauchen ebenso sonnengeschützte Plätze – am besten mit Sitzgelegenheiten, um ununterbrochenes Stehen während der Aufsicht zu vermeiden. Aufenthaltszonen zählen ebenfalls zu den „UV-Hotspots“, die entsprechend geschützt sein müssen: Bring- und Wartebereiche, Ess- und Picknicktische sowie Ruhe- und Rückzugsorte für Kinder und Fachkräfte.
Wichtige Aspekte für die Auswahl
Welcher Sonnenschutz für welchen Bereich geeignet ist, hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab. Wo es keine fest installierten Überdachungen gibt, können Markisen sinnvoll sein und sogar einen doppelten Effekt haben: Sie können im Bedarfsfall ausgefahren werden, beschatten Teile des Außenbereichs und verhindern zugleich, dass sich Räume durch direkte Sonneneinstrahlung aufheizen. Sonnenschirme mit Kurbelmechanik lassen sich schnell und einfach öffnen oder schließen. Sonnensegel bieten den Vorteil, dass sie große Bereiche abdecken können. Sie müssen sich aber bei Sturm oder Starkregen unkompliziert und schnell einholen lassen. Wer sich um Auf- und Abbau kümmert, muss klar geregelt sein.
Vor der Anschaffung technischer Sonnenschutzlösungen sollte die Kita auf Aspekte wie UV-Beständigkeit und Wetterfestigkeit achten oder die Hersteller danach fragen. Die Installation muss fachgerecht nach Herstellerangaben erfolgen. Zu klären sind dabei auch Sicherheitsfragen: Sind Segel und Schirme stabil und fest verankert? Besteht Stolpergefahr durch Spannseile oder Bodenhülsen? Wer überprüft bei der Sichtkontrolle regelmäßig Befestigungen und Verschleißteile auf Beschädigungen?
Wie sehr sich eine Anschaffung lohnt, zeigt das Beispiel der Kita Wanneweg. „Das Sonnensegel ist für uns eine einfache, aber sehr wirkungsvolle Maßnahme im Arbeitsschutz und in der Gesundheitsförderung. Es erhöht die Sicherheit für die Kinder und verbessert gleichzeitig die Arbeitsbedingungen im Team“, fasst Kitaleiterin Catalin Cromberg zusammen.
Weitere Informationen
Die wichtigsten Infos zum Sonnenschutz finden Sie gebündelt in der Broschüre „Sonnenschutz in der Kindertagesbetreuung“: publikationen.dguv.de, Webcode: p022495.
Das Portal „Sichere Kita“ hält ebenfalls Informationen bereit: www.sichere-kita.de, Webcode: W150.



